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Schade, dass viele erst sterben müssen, damit sich wieder einmal eine breitere Öffentlichkeit für ihre Musik interessiert. Jetzt auf einmal mögen alle Lou Reed (wieder). Ein paar Tage lang werden seine berühmtesten Lieder – Hits hatte er ja eigentlich nie – da und dort pflichtschuldig gespielt werden. Und dann: On to the next one. Aber so läuft das halt. Und wir am Blog machen natürlich mit! Aus aktuellem, traurigem Anlass hier also drei meiner persönlichen Lieblingssongs von Lou Reed aus den Velvet Underground-Jahren:

3. The Black Angel’s Death Song:

Dunkler, radikaler und dissonanter hat 1967 kaum jemand geklungen. Und heute?

2. Stephanie Says

Das zynische Arschloch Lou Reed hatte auch eine sanfte, melancholische, verwundbare Seite. Songs wie „Stephanie Says“ zeugen davon. Einfach. Und schön. Einfach schön. „It’s so cold in Alaska“.

1. All Tomorrow’s Parties

„And what costume shall the poor girl wear / To all tomorrow’s parties?“ Nie hat jemand schöner über Tod und Abschied gesungen als Nico. Dabei konnte sie gar nicht richtig Englisch. Und richtig singen konnte sie wohl auch nicht. Aber genau deshalb ist das hier eines meiner absoluten Lieblingslieder. Ever.

Nico (schon 1988 tragisch verstorben) und Lou haben sich selbst das berührendste Requiem geschrieben.

Vom Laster überfahren

Konzertbericht: Truckfighters, PMK, Innsbruck, 15. Oktober 2013

Das digitale Zeitalter treibt bisweilen seltsame Blüten. So auch im Falle der Truckfighters: 2011 erschien eine ironisch gefärbte „Fuzzomentary“ (also Doku) über die schwedische Stoner-Rock-Formation, in der die Truckfighters von Genre-Giganten wie Josh Homme, Nick Oliveri oder einigen Kyuss-Typen in den (Wüsten-)Himmel gelobt werden.

Der Ansatz der Doku ist aberwitzig und absurd: Josh Homme beispielsweise erinnert sich an seine Volksschulzeit, als ihm sein Vater von einer Band namens „Truckfighters“ erzählt habe – obwohl die Schweden natürlich deutlich jünger sind als der Kyuss- und QOTSA-Großmeister. An anderer Stelle lobt er die Truckfighters – in einem legendär gewordenen Zitat – als „the best band that’s ever existed“. Dieser Witz funktioniert eigentlich nur, weil die Truckfighters im Vergleich mit  Queens Of The Stone Age & Co. nur eine relativ kleine, höchstens in eingeschworenen Stoner-/Retro-Rock-Kreisen bekannte Band sind, weil also, überspitzt formuliert, keine Sau die Truckfighters kennt. Köstlich, wie einer der Interviewten ausweichend sagt: „I see their name around, so I know they’re doing … what they’re supposed to be doing“.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Inzwischen sind die Truckfighters nämlich – dem Netz und ihrem Ruf als exzellente Liveband sei Dank – tatsächlich so etwas wie (mittlere) Stars geworden. Wo sie auch hinfahren, spielen sie vor ausverkauften Häusern – und auch im proppenvollen PMK wurden sie von enthusiasmierten, erstaunlich textsicheren (!) Fans euphorisch empfangen.

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Wochenend-Playlist #2

Und hier die Playlist der Party von Freitag. Am Ende wurden leider nicht mehr alle Titel gespielt (Sorry Mischa 🙂 ), aber das meiste kam wohl, wenn ich mich recht erinnere, dran.

Vor-Fußball-Playlist (18:45-20:45)

1. Spoon – My Mathematical Mind (5:02)
2. Yeasayer – Wait for the Summer (4:53)
3. Junip – Suddenly (3:26)
4. Fuck Buttons – Stalker (10:09)
5. Simple Minds – Teardrop (5:33)
6. Chet Faker – No Diggity (3:41)
7. Get Cape, Wear Cape, Fly – 065 D.A.N.C.E (3:57) Weiterlesen →

Wie ich doch noch Affen-affin wurde

Album-Rezension: Arctic Monkeys – AM

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Eingangs muss ich gleich eines zugeben: Die Arctic Monkeys haben bei mir lange nicht so recht gezündet. Schwer zu sagen, woran das lag. Vielleicht daran, dass ich mich bei Erscheinen des explosiv einschlagenden Debüts „Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“ (2006) schon einigermaßen an der „New Class of Rock“ der frühen und mittleren Nullerjahre sattgehört hatte. Vielleicht auch daran, dass mich die Hype-Maschine auf der Insel, die pausenlos irgendwelche Bands, DJs und Solokünstler hochjazzt, um sie dann mindestens ebenso schnell wieder fallenzulassen, generell ein bisschen nervt.

Jedenfalls fand ich die hysterisch abgefeierten Songs wie „I Bet You Look Good On The Dancefloor“ oder „When The Sun Goes Down“ zwar ganz ok, aber leider nicht wirklich aufregend oder gar berührend. Und danach verschwanden die Monkeys für ein paar Jahre überhaupt von meinem Radar (auf dem sie nie wirklich aufgetaucht waren).

Dabei hätten mir die Buben aus Sheffield grundsätzlich sympathisch sein müssen. Das waren keine engstirnigen Rockisten, sondern intelligente und energiegeladene junge lads, die mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen, gerne Hip-Hop hören und so weiter. Und auch das, was ich von ihren Nebenprojekten so mitbekam, etwa den dreckigen Rap-Rock von Mongrel oder den barocken Pop von Alex Turners Supergroup The Last Shadow Puppets, gefiel mir eigentlich recht gut.

Das Lied, mit der ich erstmals wirklich Zugang zu den Inselaffen fand, war dann kurioserweise „Don’t Sit Down ‚Cause I’ve Moved Your Chair“ vom ansonsten nicht gerade hochgelobten 2011er-Album „Suck It And See“, ein fetter, psychedelischer, eindeutig von US-amerikanischen Einflüssen geprägter Hardrock-Kracher.

Apropos amerikanische Einflüsse: Seit dem 2009er-Album „Humbug“, das von Josh Homme koproduziert wurde, sind die Arctic Monkeys mit dem – in jeder Hinsicht – großen Kyuss- und Queens-of-the-Stone-Age-Mann befreundet. Eine Begegnung, die den bleichen englischen Milchbubis sicher nicht geschadet hat. Denn auch wenn aus den Monkeys keine Wüstenrockband geworden ist, klingen sie auf ihrem neuen Album „AM“ deutlich grooviger, sexuell aufgeladener, gefährlicher – genau jene Eigenschaften, die bekanntlich auch die Queens auszeichnen.

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Was mir die Ohren dronen …

Konzertbericht: Fuck Buttons, pmk, Innsbruck, 27. September 2013:

Ich hätt’s wissen müssen. Schon von meiner etwa 15-minütigen Stippvisite zwischen Simian Mobile Disco und Animal Collective bei der ATP Bühne am Primavera Sound in Barcelona kam ich mit den Worten „Lauteste Band der Welt“ zurück. Und das war Festival-Sound vor einem weitläufigen Zuschauerbereich, keine komprimierte Soundatmosphäre wie in der wunderbaren pmk in Innsbruck. Den freundlich-dezenten „Könnte etwas lauter werden :)“-Hinweis am Eingang befolgte ich trotzdem nicht. Folge: Zwei Tage Noise im Ohr.

Aber ich würd’s wieder so machen. Ohne ärztliches Attest darf man diesen Sound nicht mit Ohrstöpsel dämpfen. Denn die Fuck Buttons aus Bristol beglücken ihr Publikum nicht nur mit Donnergrollen hoch tausend, sondern morphen ihre Tracks von Minute zu Minute – und die meisten erreichen die Zehn-Minuten-Marke – von experimentellen Percussion-Sounds und Elektro-Gezerre und -Gedröhne in die schönsten Hymnen. Dabei wirken Andrew Hung und Benjamin John Power zwar jeweils vertieft in den Controller- und Sampler-Berg vor ihnen, aber wie telepathisch verbunden. Man kann sich die Blechhelme mit den ausgefahrenen Antennen und den sie verbindenden Frequenz-Elektroblitzen bildlich vorstellen.

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Das ist o(h)rgiastisch, das ist cineastisch und das ist auch olympisch. Nicht umsonst fanden zwei ihrer Songs sensationell auch ihren Weg in den von Underworld kompilierten Soundtrack der Eröffnungsfeier von Olympia 2012 in London. Und zwar nachdem die beiden einen Song ihres zweiten Albums „Tarot Sport“ passenderweise „Olympians“ getauft hatten.

Einer der Höhepunkte neben „Surf Solar“, für mich noch immer ihr Vorzeige-Track, „Colours Move“ vom Debüt-Werk „Street Horrrsing“ mit der live eingespielten und mehrfach selbst-gesampleten Trommel und „Hidden XS“, dem triumphalen Ausklang des neuen Werks „Slow Focus“, das auch den einzigen kleinen Wermutstropfen dieses Abends bildete. Das Album-Cover ist nämlich derart hässlich, dass ich den Fuck Buttons beim besten Willen kein T-Shirt abkaufen konnte.

Ansonsten: Fuck Buttons, die avantgardistischste Band, die ich kenne. Und das meine ich vollkommen wertend.

Same title – different song (Teil 1)

Wie Kollege Steff vor einigen Wochen nachgewiesen hat, ist die Zahl der im Pop verfügbaren Melodien und Harmonien offenbar begrenzt – weshalb manche Bands sich dazu gezwungen sehen, mehr oder weniger dreist bei anderen zu klauen. Doch auch coole Songtitel scheinen eine knappe Ressource zu sein: Unterschiedlichste Künstler taufen ihre Lieder – ob bewusst oder unbewusst – immer wieder auf dieselben Namen.

Um der daraus entstehenden Verwirrung entgegenzuwirken, hat unsere serviceorientierte Seite beschlossen, einige Lieder gleichen Namens miteinander zu konfrontieren. Und um der Leserschaft die Entscheidung zu erleichtern, geben wir immer auch gleich bekannt, welches der gleichnamigen Lieder das beste ist. Frei nach dem Motto: Ein „Supersonic“ reicht!

1. Into The Void:
Kollege Dave ist der Ansicht, dass JEDE Metalband, die etwas auf sich hält, einen Song namens „Into The Void“ im Repertoire habe. Das mag übertrieben sein – aber nur leicht.

a) Black Sabbath:
Wahnsinn, wie gut die mal waren! Die Miterfinder des Heavy Metal servieren hier (auf „Master of Reality“, 1971) ein gewaltiges, groovendes Riffmonster, das sich trotz seines bleischweren Gewichts erstaunlich leichtfüßig bewegt. Und herrliches Trademark-Gequengel von Ozzy gibt es natürlich auch. Wenn man das hört, weiß man, wo Soundgarden herkommen. Oh, die haben „Into The Void“ ja wirklich mal gecovert!

b) Nine Inch Nails:
„Into The Void“ ist die dritte Single vom 1999er-Album „The Fragile“ – und klingt genauso, wie man sich das von NIN erwartet: Brachialer, elektronisch grundierter Neo-Industrial-/Metalsound, intensiv, aggressiv, psychotisch und total humorlos. „Try to save myself, but myself keeps slipping away“, singt Reznor, eine Zeile, wie sie für ihn kaum typischer sein könnte. Dass das Ganze mindestens so düster ausfällt wie der gleichnamige Sabbath-Klassiker, verwundert nicht. Doch am schönsten drückt es einer der YouTube-Kommentare aus: „I was actually looking for Black Sabbath song, but well…..void is a void….and im lost in it :)“

Sieger: Black Sabbath

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Surfrocken und herfoppen

Konzertbericht: The Bambi Molesters und Dave & The Pussies, PMK, Innsbruck, 12. September 2013:

Erste Frage: Was ist Globalisierung? Vielleicht das hier: Eine Band aus dem Tiroler Unterland (Dave & The Pussies) und eine aus dem kroatischen Sisak (The Bambi Molesters), die sich ein zutiefst amerikanisches Genre, nämlich instrumentalen kalifornischen Surfrock, so einverleiben, dass sich die – ohnehin blödsinnige – Frage nach „Authentizität“ gar nicht erst stellt.

Zweite Frage: Darf man einen Blogkollegen auf dessen eigenem Musikblog über den grünen Klee loben (oder, wie man in Fieberbrunn sagen würde: „herfoppen“), ohne sich der Freunderlwirtschaft schuldig zu machen? Ich finde: Man darf. Wenn es gerechtfertigt ist. Und das ist es bei Dave & The Pussies, die im PMK als Vorband der Bambi Molesters brillierten, auf jeden Fall.

dave verkleinert

Eingangs zwei Zitate meiner geschätzten Schreibclub-Genossin und Vielleichtbaldblogmitautorin Vici S., die sich den Surfrock-Doppelpack mit mir zu Gemüte führte: „Wos der mit seiner Gitarr‘n mocht, is jo illegal“, stellte sie zunächst fest – und meinte damit natürlich Dave, sein schwindelerregendes Tempo an der Elektrischen und den fast schon rücksichtslosen Einsatz des Tremolohebels. Kurz darauf brachte sie die Kernbotschaft des Abends ebenso präzise auf den Punkt: „Guat, dass do koaner singt“. (Dass dieselbe Dame der Ansicht war, der Name „Bambi Molesters“ habe etwas mit den Vornamen Moe und Lester zu tun, lassen wir hier dezent unter den Tisch fallen …).

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Dreimal hoch? Das reicht nicht!

Ok, ich geb’s zu: Ich bin abergläubisch. Zumindest ein bisschen. Vor allem an meinem Geburtstag. Da deute ich jede Kleinigkeit als bedeutsames Omen.

Früher hatte ich zum Beispiel die etwas spleenige Angewohnheit, an meinem Geburtstag vor dem Basketballkorb im elterlichen Garten Aufstellung zu nehmen und einen Freiwurf zu versuchen. Durchaus mit klopfendem Herzen und zitternden Händen. Denn von diesem ersten Wurf im neuen Lebensjahr machte ich einiges abhängig: Wenn ich traf, würde es ein gutes, glückliches und erfolgreiches Jahr werden. Wenn ich aber versagte, dann … versuchte ich es einfach noch einmal, solange bis es klappte. Aber das Jahr war damit eigentlich schon gelaufen.

Ähnlich halte ich es bis heute mit der Musik.

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Feel the Bassline. Folge 1: Deutschpop

In einem Werbekatalog der Gitarrenfirma ‚Gibson‘ aus dem Jahre 1928 heißt es: „Hören sie sich moderne Musik an, und Sie werden herausfinden, dass der Bass eines der wichtigsten Instrumente ist. Denn er fügt der Musik jene tiefen, dunklen Pulsschläge hinzu, die Herz und Seele des wahren Rhythmus sind.“ Die hier so pseudo-poetisch formulierte Sehnsucht nach werbewirksam brummelnder Tiefenvibration konnte bislang jeden musikalischen Trend überleben. Jazz ohne Bass? hmm, komisch. Metal ohne Bass? Geht nicht. Techno ohne Bass? Haha! Weiterlesen →

Ein Häufchen Musikband

Konzertkritik: Attwenger, Open Air vor dem Landestheater Innsbruck, 8. September 2013:

Ich war nie ein Fan von Blumfeld. Aber Jochen Distelmeyers Aussage über Attwenger (getätigt in der 1995er-Doku „attwengerfilm“ von Wolfgang Murnberger) trifft es irgendwie: „Ein Häufchen Musikband“.

Denn genau so etwas habe ich mir gedacht, als Markus Binder und Hans-Peter Falkner beim Ö1-Kulturpicknick vor dem Innsbrucker Landestheater auf die Bühne schlurften: zwei unauffällige Typen, einer eher fest, einer recht mager, der eine in komischen gestreiften Hosen, der andere in Shorts und einem Muskelshirt, das er beileibe nicht ausfüllt, beide so schläfrig-zerzaust, als seien sie eben erst aufgestanden oder als habe man sie gerade in irgendeinem Beisl aufgegabelt und mühsam auf die Bühne verfrachtet.

Dazu die nachlässige Körperhaltung: Binder, dessen Schlagzeugspiel nur aus den Unterarmen zu kommen scheint; Falkner, der mit seiner Steirischen Harmonika über die Bühne trottet wie ein Tanzbär und sich hie und da bückt, als wolle er mit dem Instrument den Boden schrubben. Und dann noch die breite, irgendwie maulfaule oberösterreichische Mundart bei den Bühnenansagen, die perfekt zum tiefenentspannten bis trägen Auftreten des Duos passt.

Doch dann hört man die Musik von Attwenger – und kann kaum glauben, dass „ein Häufchen Musikband“ zu so mitreißenden und energiegeladenen Klängen fähig ist.

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