Archiv des Autors: Michael Domanig

Lückenschluss mit Power-Pop

Konzertbericht: WE ARE SCIENTISTS, PMK Innsbruck, 16. Februar 2019:

Auch wenn Einzelne das seinerzeit anders gesehen haben: Das Ende des Weekender Clubs hat in Innsbruck bis heute eine unübersehbare und vor allem unüberhörbare Lücke hinterlassen.

Das sage ich nicht nur, weil ich mit dem Weekender persönlich einige sehr schöne Konzerterlebnisse verbinde – spontan fallen mir etwa Die Sterne (fast ein Privatkonzert!), die Raveonettes (mächtige Soundwand), Ezra Furman (entfesselt), Adam Green (ausgelassen), The Notwist (technoid) oder Tu Fawning (magisch) ein -, sondern ganz objektiv: Für den „Alternative Mainstream“ (= zu groß/kommerziell für die PMK, zu klein für den Hafen oder die Olympiahalle, zu jugendlich fürs Treibhaus) gibt es in Innsbruck und ganz Tirol seit dem Ende des Clubs keine richtige Heimat mehr. Vom tollen – und stets bestens besuchten (!) – Musikquiz einmal ganz abgesehen.

Also: Selbst wenn man (wie ich selbst) mit vielen der Konzerte im Weekender nur wenig anfangen konnte, muss man es als Musikliebhaber einfach bedauern, wenn in einer Stadt eine Konzertlocation wegfällt. Allein schon deshalb, weil sich Leute, die sich bisher dort getroffen haben, dann eben nicht mehr treffen.

Dass diese Lücke nach wie vor schmerzt und die Nachfrage nach Konzerten, wie der Weekender sie angeboten hatte, ungebrochen ist/wäre, war gestern Abend in der PMK eindrucksvoll zu erleben: Das Konzert von We Are Scientists, veranstaltet in der (an keine fixe Location gebundenen) Reihe „Weekender presents“, war restlos ausverkauft – obwohl (oder gerade weil) es in der PMK heuer wohl nicht mehr viel poppiger und vergleichsweise „mainstreamiger“ zugehen wird.

Schon bei der Vorgruppe Communipaw aus New Jersey (ein schwer auszusprechender Name, wie selbst Frontmann Brian Bond zugab) war der Saal von der ersten bis zur letzten Reihe gefüllt. Zu hören gab es gefälligen (Indie-)Folkpop mit ebensolchen Vokalharmonien, der im Vormittagsprogramm von FM4 nicht negativ auffallen würde. Nett, aber auch unspektakulär und ohne erkennbare Ecken und Kanten, eine Art „Wasch-mir-den-Pelz-aber-mach-mich-nicht-nass“-Indie, der nicht stört, aber auch nicht hängen bleibt. Vom Publikum gab es freundlichen Applaus für (allzu?) freundliche Musik.

Da war die – von Beginn an heftig bejubelte – Hauptband ein ganz anderes Kaliber: We Are Scientists aus Brooklyn zeigten, wie es richtig geht, mit einer zwingenden Mischung aus harmonieverliebtem Power-Pop (ein sträflich unterschätztes Genre, ich wiederhole mich hier gerne), Pop-Punk und Gitarrenrock. Entscheidend für den Live-Erfolg war, wie meistens bei solcher Musik, dass das Ganze mit sehr viel Energie und, wie unsere nördlichen Nachbarn vielleicht sagen würden, „Schmackes“ gespielt wurde. Während weite Teile des Indie-Gitarrenrocks der Nullerjahre den Test der Zeit schlecht überstanden haben, trifft das hier nicht zu: Zumindest live war das Ergebnis wirklich mitreißend!

Frontmann Keith Murray (Gitarre, Gesang), der mit ergrauter Mähne inzwischen wie der jüngere Pop-Bruder von Lee Ranaldo aussieht, Bassist Chris Cain und Schlagzeuger Keith Carne (der schon bei der Vorband getrommelt hatte, also eine anstrengende Doppelschicht versah) bewiesen, dass das Trio-Format für diese Art von Musik geradezu ideal ist: Denn die gehört tight, kompakt und immer gleich auf den Punkt gespielt – und das machten We Are Scientists an diesem Abend hervorragend. Ein- ähem, Powertrio eben.

Womit ich nicht wirklich gerechnet hatte, war die erkleckliche Zahl an größeren und kleineren Hits, die da in knapp eineinhalb Stunden zusammenkamen . Die meisten davon waren mir gar nicht mehr geläufig oder ich hätte sie nicht den Scientists zugeordnet. Die Palette reichte von „Inaction“ (Well, how am I supposed / to know / what makes this happen?) über „Dumb Luck“ mit seinem feinen Harmoniegesang, „It’s a hit“ (das seinem Namen live alle Ehre machte und deutlich fetziger geriet als die Studioversion) bis hin zu „Chick Lit“ oder „The Great Escape“.

Auch besonders Poppiges wie „I Don’t Bite“ oder „After Hours“ boten die drei so schwungvoll und erfrischend dar, dass es selten allzu seicht wurde. Und wenn doch, dann folgte mit Garantie gleich die nächste Power-Pop-„Wuchtbrumme“ (wie unsere nördlichen Nachbarn vielleicht ebenfalls sagen würden).

Eine positive Überraschung war, dass sich auch Neueres wie das wuchtige „Buckle“ und die jüngsten, (synthie-)poppigen Singles „Your Light Has Changed“ oder „One In, One Out“ sehr gut einfügten (auch wenn das neue Material auf, ähem, Platte nicht durchgehend zündet).

Dazu steuerte Keith Murray einen kurzen Ausflug ins Publikum und routinierte, aber witzige Bühnenansagen bei: Gleich zu Beginn gestand er einem ausgelassenen Fan, der gleich zwei Makava-Flaschen auf einmal schwenkte, „impressive use of both hands“ zu. Und statt dem üblichen Kaschperltheater mit „One more song“/“Zuuu-gaaa-beee“-Rufen erklärten We Are Scientists, lieber gleich „more songs“ spielen zu wollen – darunter als Schlussnummer ihren wohl größten Hit „Nobody Move Nobody Get Hurt“ mit den hedonistischen Zeilen „If you wanna use my body – go for it„, die vom Publikum lauthals mitgesungen wurden.

Apropos Publikum: Dass ich bei einem ausverkauften Konzert trotz größter Anstrengungen nicht in der Lage war, eine überzählige (Frei-)Karte an den Mann oder die Frau zu bringen, war wohl das größte Rätsel dieses unterhaltsamen Abends …

P.S. Schöne Fotos vom Konzert findet man HIER!

Als Funk zu Punk wurde. Wie eine Band namens Death ein neues Genre zur Welt brachte

HIT THE BASSLINE PRÄSENTIERT: TRACK DER WOCHE, # 31:
DEATH – POLITICIANS IN MY EYES (1976)

Zu den schönsten Aspekten der Popkultur zählt, dass sie im Idealfall soziale, kulturelle und ethnische Grenzziehungen zu überwinden vermag. Ja, im Grunde ist das wohl so etwas wie die Definition von „Pop“ an sich.

Unabhängig davon besteht aber kein Zweifel daran, dass der weitaus überwiegende Teil der modernen Populärmusik in „schwarzen“, konkret afroamerikanischen (und afrokaribischen) Musikkulturen wurzelt: Blues, Jazz und Rock ’n‘ Roll, Soul, Funk und R & B, Ska und Reggae mit all ihren Subgenres, aber auch Disco, Techno und House, Hip-Hop sowieso, mit allen jüngeren und jüngsten Strömungen von Trap bis Cloud-Rap – you name it.

Aber dass eine afroamerikanische Band – die ausgerechnet aus einem stark christlich geprägten Haushalt stammte und noch dazu einen so unheilvollen Namen wie Death trug – zu den geistigen Vorläufern des Punk zählte, ist bis heute über Nerd- und Spezialistenkreise hinaus erstaunlich wenig bekannt.

Und doch war es genau so: Die drei Brüder Bobby (Bass, Gesang), David (Gitarre) und Dannis Hackney (Drums), Söhne eines baptistischen Predigers aus Detroit, kamen zwar ursprünglich vom Funk. Doch stark beeinflusst von Bands wie The Who, den Beatles oder Alice Cooper, schlugen sie bald eine völlig neue Richtung ein – die vor allem vom ältesten Bruder David vorgegeben wurde: Ab 1971 nannten sie sich Death und entwickelten einen rauen, harten, direkten, aufs Wesentliche reduzierten Gitarrensound, den in Detroit damals auch Bands wie MC5 oder die Stooges kultivierten. Mit anderen Worten: Das war (Proto-)Punk, zu einer Zeit, als dieser Name noch längst nicht existierte und der entsprechende Sound in New York oder London noch kein wirkliches Thema war.

Bei Death kam zum aggressiven Sound ein unwiderstehlicher, eindeutig der Funk-Vergangenheit geschuldeter Groove hinzu, der sie von anderen (weißen) Proto-Punk-Bands deutlich abhob. Eigentlich eine denkbar explosive, aufregende Mischung, die damals absolut für Furore hätte sorgen können/sollen/müssen.

Doch es lief ganz anders ab: Zwar nahmen Death 1975 ein Album mit sieben Songs auf (geplant waren eigentlich zwölf), doch dieses erschien nie. Die Majorlabels zeigten Death die kalte Schulter, ein Deal mit Columbia soll, so heißt es, vor allem an David Hackneys (proto-punkiger) Weigerung gescheitert sein, den düsteren Bandnamen gegen einen verträglicheren, massenkompatibleren zu tauschen. (Ein Problem, mit dem die Death-Metal-Urväter Death Jahre später nicht zu kämpfen hatten. Im Gegenteil, einen besseren Namen für Genre-definierende Todesmetaller gibt es ja gar nicht).

Auch sonst dürften einige Umstände (übel) mitgespielt haben: Für den Mainstream waren Death wohl einfach ein zu früh dran – und in der schwarzen Community von Detroit müssen sie mit ihrem Sound ohnedies wie Alien gewirkt haben. Fakt ist jedenfalls, dass sich die Band bereits 1977 – ausgerechnet jenem Jahr, in dem sich der Säurekanal namens Punk voll in den Hauptstrom ergoss – schon wieder auflöste. Veröffentlicht hatten die drei zu diesem Zeitpunkt lediglich die 7-inch „Politicians In My Eyes“ mit der B-Seite „Keep on Knocking“, die sie 1976 im Eigenverlag herausgebracht hatten, in einer Auflage von nur 500 Stück.

Die ehemaligen Bandmitglieder gingen danach andere, verschlungene Wege, die von Gospel-Rock bis Reggae und geographisch bis nach New England führten.

Erst Jahrzehnte später wurde das äußerst schmale, aber visionäre Werk der Band wiederentdeckt. Zum einen von den Söhnen Bobby Hackneys, die 2008 die Formation „Rough Francis“ gründeten, mit der sie das Erbe von Death neu belebten. Zum anderen von Alternative-Größen wie Jello Biafra (Dead Kennedys). 2009 brachte das Label Drag City Records dann die 70er-Jahre-Demoaufnahmen erstmals heraus, in Form eines Albums mit dem angemessenen Titel „… For The Whole World To See“. 2009 reformierten Bobby und Dannis Hackney die Band schließlich selbst (mit einem neuen Gitarristen), in der Folge erschienen weiteres historisches Demo- und Sessionmaterial ebenso wie neue Alben.

Für viele, die zuvor nie von Death gehört hatten, war das nach Jahrzehnten endlich veröffentlichte erste Album eine wahre Offenbarung. So beschrieb Jack White gegenüber der New York Times seinen ersten Höreindruck folgendermaßen: „I couldn’t believe what I was hearing. When I was told the history of the band and what year they recorded this music, it just didn’t make sense. Ahead of punk, and ahead of their time.“

Das alles erinnert frappant an die Geschichte der Monks, die heute ebenfalls als stilistische Vorväter des Punk (aber auch von Industrial, hypnotischen Drones etc.) angesehen werden: Sie veröffentlichten sogar bereits Mitte der 60er Jahre ein (heute als Meisterwerk geltendes) Album, das seinerzeit völlig unbeachtet blieb. Und auch sie kamen erst sehr, sehr spät zu gebührender Anerkennung.

Death sind eine Entdeckung von ähnlichem Rang (was Gitarrist David Hackney übrigens nicht mehr miterleben durfte; er starb bereits im Jahr 2000, nachdem er zuvor lange gegen den Alkoholismus gekämpft hatte): Sie sind so etwas wie das Missing Link zwischen Jimi Hendrix oder Chuck Berry und dem Punk, zwischen Punk und Funk/Soul, Punk und Hard Rock, Punk und Psychedelic Rock etc.

Die Annäherung zwischen dem „weißen“ Punk und sogenannten „schwarzen“ Sounds brachte vor allem im Großbritannien der späten 70er, frühen 80er Jahre spektakuläre Ergebnisse hervor (The Clash, The Specials, Madness usw.) – bei Death war diese Brücke schon geschlagen.

Denn Death groovten, waren funky – etwas, was man zum Beispiel von den Sex Pistols und vielen anderen frühen Punkbands wirklich nicht behaupten konnte (womit nichts, aber auch gar nichts gegen die Sex Pistols gesagt werden soll). Und natürlich waren sie im Vergleich ungleich virtuosere Musiker (womit nichts, aber auch gar nichts gegen die Abrechnung des Punk mit hohlem Virtuosentum gesagt werden soll). Und Death klangen vor allem extrem tight.

„Politicians In Their Eyes“ zeigt das besonders gut auf: Proto-Punk-Riffs treffen hier auf einen wuchtigen, fast stoisch-militärischen Groove, fetten Basssound und einen hymnischen Refrain, der fast schon – dare we say it? – Emo(tional Hardcore) vorwegnimmt. Für die reine Punklehre (die es damals logischerweise noch gar nicht gab) ist das natürlich viel zu komplex und ausufernd gespielt, von den harten Brüchen ganz zu schweigen. All das schadet aber – im Gegensatz etwa zu schwerfälligen Prog-Rock-Ungetümen – der ungestümen Wirkung des Songs nicht. Im Gegenteil: Wie etwa später beim komplexen Groove-Punk von Nomeansno tragen die Brüche zur Durchschlagskraft nur noch bei.

Auch sonst gibt es einiges zu entdecken: Die B-Seite „Keep On Knocking“ ist fast genau so zwingend und hymnisch wie „Politicians …“, „Freakin Out“ und „Rock-N-Roll Victim“ wiederum sind purer, stampfender Punk before the word. „You’re A Prisoner“ rockt dramatisch, während „Where Do We Go from Here???“ die Emotionalität von gutem Soul hat. Und „Let The World Turn“ wechselt ansatzlos von psychedelischer Ballade zu hartem, vertracktem Rock. Fazit: Faszinierend und hochenergetisch!

Bis heute sind schwarze Musiker (wenn man schon die Hautfarbe bemühen muss) und harte, gitarrendominierte Musik eine relativ rare Kombination. (Im Zusammenhang mit Death werden oft die – ungleich brachialeren – Hardcore-Afropunks Bad Brains bemüht, Jüngere könnten vielleicht auch an die Horror-Core/Industrial-Hip-Hop-Gruppe Ho99o9 denken oder etwa an die Punkwurzeln von Indie-Heldinnen wie Santigold oder Ebony Bones). Wäre dieser Entwicklungsstrang vielleicht anders verlaufen, wären Death damals so erfolgreich geworden wie ein paar Jahre später, sagen wir, The Clash, Blondie oder die Talking Heads? Wir werden es nie erfahren.

Nie erfahren werde ich wohl auch, wo zum Teufel mein Exemplar des tollen Proto-Punk-Samplers „Sick On You! One Way Spit!“ gelandet ist, auf dem ich Death vor Jahren zum ersten Mal entdeckt habe.

Naja, notfalls kauf ich ihn mir eben ein zweites Mal. Und die offenbar sehr sehenswerte Doku „A Band Called Death“ (2012) könnte ich mir auch noch gleich besorgen.

Das letzte Wort soll aber mal wieder einem YouTube-Kommentator gehören, der über Death meinte:

They’re called Death, because they’re killin‘ it.

Ja, so kann man das auch sagen.

O Tannenbaum, o Douglastanne! Weihnachten in Twin Peaks

HIT THE BASSLINE PRÄSENTIERT: TRACK [EP] DER WOCHE, # 30:
JHEREK BISCHOFF – CHESTNUTS ROASTING ON AN OPEN FIRE WALK WITH ME (2017)

Für manche Menschen (nicht nur für überzeugte Atheisten) soll Weihnachten ja der Horror sein. Andere wiederum verbinden mit dieser Zeit des Jahres die spezielle Magie der Kindheit, die geheimnisvolle Aura, die das große Fest damals umgab und der sie im Erwachsenenleben (mehr oder weniger erfolgreich) nachjagen. Für beide Gruppen könnte dieser Track, präziser: diese EP der Woche von Interesse sein – vorausgesetzt, sie sind Fans von Twin Peaks.

In diesem Fall wird ihnen schon der Titel der EP ein seliges Lächeln aufs Gesicht zaubern und/oder wohlige Schauer den Rücken hinunterjagen: „Chestnuts Roasting on an Open Fire Walk with Me“ hat der kalifornische Musiker, Arrangeur und Komponist Jherek Bischoff sein Werk getauft – was nicht nur einen wunderbaren Teamnamen fürs Pubquiz abgäbe, sondern auch sofort verrät, was Sache ist: Es handelt sich hier – erraten! – um sehr bekannte (mir als Nicht-Amerikaner teilweise auch unbekannte) Weihnachtslieder, die im unverkennbaren Twin-Peaks-Stil interpretiert werden.

Zugegeben, das ist zunächst einmal vor allem die skurrile Fingerübung eines Nerds [auf die mich mein popkulturell umfassend interessierter Kumpel Peter aufmerksam gemacht hat; danke dafür] und wäre früher wohl direkt im Exotica- oder Novelty-Regal gelandet. Auch Bischoff selbst beschreibt den Versuch als „dark“, „moody“ und „totally ridiculous“.

Zugleich ist das Ganze aber sehr liebevoll und detailversessen gemacht, mit offensichtlicher Leidenschaft für die dunkle Magie von Twin Peaks im Allgemeinen und die kongenialen Scores von Angelo Badalamenti im Speziellen. Bischoff ist hier nicht (nur) auf den schnellen Lacher, den billigen Effekt oder den offensichtlichen Strangeness-Faktor aus. Immerhin hat er auch das aufwühlende, verstörende und zutiefst ernsthaft gemeinte Twin-Peaks-Album von Xiu Xiu produziert (einer Band, der Bischoff früher selbst angehörte).

An dessen emotionale Intensität reichen diese Weihnachtslieder natürlich nicht einmal annähernd heran (und wollen es wohl auch gar nicht), aber reizvoll und sympathisch ist das Ergebnis allemal: Vor allem der Bass mit einer Extraportion Twang und Hall und die sphärischen Synthieflächen lassen sofort Bilder von Douglastannen, Kirschkuchen, Sägewerken, roten Vorhängen und narkotisierenden Bodenfliesen durchs Hirn flimmern. Dazu gibt es Schlittenglöckchen und knisterndes Kaminfeuer.

Das bereitet phasenweise richtig Freude – sogar bei einem zu Tode genudelten Schmachtfetzen wie „Happy Xmas (War is Over)“ von John Lennon. Da schimmert (bei mir) zwar noch der Schrecken gymnasialer Englisch- oder Musikstunden durch, doch die schaurig-schöne, dramatische Twin-Peaks-Soundästhetik deckt diesen gnädig zu wie frisch fallender Schnee. Und man könnte sich fast vorstellen, wie dazu im Double R Diner langsam und innig getanzt wird.

Bischoff zeigt keine Angst vor Kitsch und Romantik, was gut zu Twin Peaks passt. Eine der ganz großen Stärken der Serie (und von David Lynch) ist es ja gerade, in vermeintlichem Kitsch Wahrhaftigkeit und Schönheit zu entdecken. (Trotzdem ist man froh, dass Bischoff zumindest „Last Christmas“ dort gelassen hat, wo es hingehört. Weit, weit weg).

Auch das EP-Cover läutet natürlich all jene Weihnachtsglöckchen, die den konditionierten Twin-Peaks-Fan speicheln lassen, von der Wrapped-up-in-plastic-Ästhetik bis zum giftgrünen Schriftbild.

Beim finalen „Silent Night“ fällt die Adaption vielleicht ein bisschen plump aus, dafür bleibt aber die Erkenntnis, dass „Stille Nacht“ (auch in dieser Version) wirklich ein sehr schönes Lied ist. Btw, ob Gruber und Mohr heutzutage wohl Twin-Peaks-Fans wären?

Statt über diese bizarre Frage wirklich nachzudenken, wünsche ich euch, liebe LeserInnen, lieber frohe Weihnachten – und zitiere als Handlungsempfehlung ausnahmsweise mal die VICE: „Listen to it in your family home; avoid ceiling fans.“

Eine Stimme, die alles hinwegschwemmt

HIT THE BASSLINE PRÄSENTIERT: TRACK DER WOCHE, # 28:
BESSIE SMITH – MUDDY WATER (A MISSISSIPPI MOAN) (1927) 

Bei manchen MusikerInnen neigt man (nicht erst in Zeiten von Wikipedia) dazu, sich mehr auf ihre Biographie zu konzentrieren als auf ihr Werk – besonders wenn der Lebenslauf so spannend und dramatisch ist wie jener von Bessie Smith (1894-1937).

Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen im tiefen, segregierten US-Süden, beide Eltern früh verstorben, Anfänge als Straßenmusikerin und -tänzerin, Mitglied in einer fahrenden Musiktheater-Gruppe, steiler Aufstieg zur wohl erfolgreichsten Blues-Sängerin der 20er und 30er Jahre, zu einem Star des frühen Radio, zur bestbezahlten afroamerikanischen Unterhaltungskünstlerinnen ihrer Zeit, zur „Empress of the Blues“. So könnte man dieses intensive Leben im Telegrammstil Revue passieren lassen.

Man könnte von Bessie Smiths turbulenter Ehe mit zahlreichen Seitensprüngen beider Partner berichten, von ihren zahlreichen Affären, auch und gerade mit Frauen. Man könnte ihr Werk darauf hin analysieren, wie es schwarze Arbeiterklasse-Identität, weibliches Selbstbewusstsein und sexuelle Selbstbestimmung thematisiert, wie es Armut und soziale Ungleichheit reflektiert. Man könnte es im zeitgeschichtlichen Kontext zwischen Rassentrennung und Showbusiness-Kapitalismus (Stichwort: Platten- und Radioindustrie) beleuchten. Man könnte ihren Tod nach einem entsetzlichen Autounfall in Mississippi im Jahr 1937 in den Fokus rücken – in einem Krankenhaus für Schwarze, da trotz ihrer Berühmtheit offenbar niemand im Entferntesten daran gedacht hätte, Bessie Smith in ein „weißes“ Krankenhaus einzuliefern.

Man könnte darüber schreiben, welche Spuren sie in der Musikgeschichte und Popkultur hinterlassen hat, wie sie Billie Holiday, Janis Joplin und andere große Sängerinnen inspirierte, wie sie J. D. Salinger oder Edward Albee zu Kurzgeschichten bzw. Theaterstücken animierte, wie sie in Songs (etwa von The Band) und Filme („Bessie“ mit Queen Latifah in der Hauptrolle) Eingang fand.

Aber alle biographischen Daten und kulturgeschichtlichen Fakten, mögen sie noch so spektakulär sein, bleiben letztlich sekundär, verblassen vor der schieren Kraft dieser rauen, dunklen Stimme. Besonders eindrucksvoll zu erleben ist das in „Muddy Water“. Wie viele Emotionen, Stimmungen, atmosphärische Nuancen Smith hier in drei Minuten transportiert – Melancholie, Sehnsucht, Stolz, Mut, sexuelle Spannung, Lebenslust – beeindruckt bis heute, selbst wenn die Musik für unsere Ohren zahm, vielleicht sogar fad klingen mag. Im Mittelpunkt steht hier der Gesang, ehrfurchtgebietend und unaufhaltsam wie der Mississippi selbst.

Obwohl Smiths Stimmgewalt sich bestimmt auch langjähriger technischer Schulung und Praxis verdankt, kommt sie doch ohne jene an Hochleistungssport erinnernde Vokalakrobatik aus, die vielen zeitgenössischen Mainstream-„R’n’B“ oder -„Soul“ so unerträglich macht, von der deprimierenden Castingshow-Kraftmeierei ganz abgesehen. Und das ist ganz ohne Kulturpessimismus gemeint!

Weitere Anspieltipps: Wasted Life Blues, Back Water Blues, Downhearted Blues

Ein vergnügliches Trauerspiel

Nachbericht: Lesung und Konzert: Fritz Ostermayer & Vienna Rest in Peace, ZONE Wörgl, Allerseelen 2018:

Für einen Besuch in Wörgl braucht es gute Gründe. Und die kleinen, feinen Konzerte des Vereins SPUR. um Obmann Günther Moschig sind eigentlich immer ein solcher Grund.

Auch diesmal war klar: Bei dieser Kombination aus Datum (Allerseelen), Band (die Supergroup Vienna Rest in Peace, die sich exakt ein Jahr nach Erscheinen ihres gleichnamigen Debütalbums wieder auf Kurztournee begab) und Vortragendem (der leibhaftige Fritz Ostermayer!) macht man bestimmt nichts falsch.

Nachdem ich aus Nostalgiegründen im selben Wörgler Schnellrestaurant am selben Platz vom selben Kellner dasselbe – ok vielleicht nicht dasselbe, aber zumindest das gleiche – Hühnerschnitzerl entgegengenommen hatte, wie ich das berufsbedingt über eine verdammt lange Zeit hinweg getan hatte, fand ich mich also im örtlichen Jugendzentrum ZONE ein, um dort auf dasselbe Problem zu stoßen wie bei vielen reizvollen Konzerten der Vergangenheit: sehr überschaubares Publikumsinteresse.

Gut, bei einem literarisch-musikalischen Abend, der sich vor allem um das Thema Tod in allen Facetten dreht, wäre eine traurige Kulisse ja irgendwie ganz passend – aber allein schon der Name Fritz Ostermayer sollte eigentlich genügen, um deutlich mehr Leute hinter dem Ofen oder unter der Heizdecke hervorzulocken.

Apropos traurig: Dass das Konzert kurzfristig vom altehrwürdigen Astnersaal in die ZONE verlegt wurde, fand nicht nur ich bedauerlich. Mit seinem morbiden Charme wäre der Saal – von dem Ernst Molden einmal sinngemäß gesagt hat, er könnte aus einem Ödön-von-Horvath-Stück stammen – für diesen Abend wie gemacht gewesen. Und schon alleine die Vorankündigung auf FM4 am Vormittag (wo man von der Verlegung offenbar noch nichts wusste) war einfach nur herrlich: „Death blues and strange morbid literature (…) in the Astnersaal in the Hotel Alte Post in Wörgl – this is surely the most Austrian thing I’ve ever announced on the radio“.

Hinzu kommt noch, dass die Tage des Astnersaals ja leider gezählt sein sollen – und ein sterbender Saal wäre für einen Abend über das Dahinscheiden ja wohl wirklich genau das Richtige gewesen. Naja, vielleicht war er einfach zu ausladend für den bescheidenen Andrang – und die ZONE ist zumindest so klein, dass es am Ende doch noch nach einem recht anständigen Publikumszuspruch ausschaute. Und auch wenn sie atmosphärisch bei weitem nicht an den alten Ballsaal mit den hohen Wänden, den Spiegeln und dem Kronleuchtern heranreicht, war für ein intimes Setting gesorgt – auch dank der schaurig-schönen Bühnendekoration mit Herbstlaub und Grabkerzen.

Die passte natürlich ideal zu den „Trauerprofis“, als die Fritz Ostermayer sich und Vienna R.I.P. vorstellte – übrigens in Anlehnung an einen bekannten Ausspruch seines Freundes und Saufkumpanen Harry Rowohlt, wonach man als gestandener Trinker zu Silvester keinesfalls ausgehen solle: „Da saufen nur die Amateure“.

Die schwarzhumorige, grandios geschmacklose Tour de Force, auf die Fritz Ostermayer sein Publikum zwischen den Liedern der Band mitnahm, war dann auch wirklich der erwartete Höhepunkt: So bunt schillert der Themenkomplex Tod selten wie beim morbiden Sumpfisten und ehemaligen Trauermarschsammler (mindestens 2500 soll er in seiner Kollektion haben und noch immer welche zugeschickt bekommen).

Die schwarze Palette reichte von Synonymen für das Sterben in verschiedenen Ländern und Sprachen (vom saloppen „Kicking the bucket“ in den USA über „Die Hufeisen anlegen“ in der Türkei bis zu philosophisch-vergeistigten Varianten, etwa aus Nepal) bis hin zum Thema „Soft Frequencies“: Diese harmlosen New-Age-Tonfolgen hätten sich bei New Yorker Polizeisirenen ebensowenig bewährt wie in Hospizhäusern, erzählte Ostermayer. Besser sei es doch, wenn Moribunde einfach noch einmal ihre Lieblingslieder hören dürften – selbst aufs Risiko hin, dass dann irgendwann Andreas Gabalier die „Hitparade des Todes“ anführen wird.

So ging es höchst vergnüglich weiter: Die Zuhörerschaft erfuhr, warum an berühmten letzten Worten wenig dran ist (Goethe habe statt „Mehr Licht“ eigentlich „Wer spricht?“ geäußert) oder was Ostermayers aktueller Lieblingsgrabspruch wäre („Ich weiß noch immer nicht, was Sache sei“). Man hörte von walisischen Workshops, bei denen man lernt, wie man sich den eigenen Grabstein meißelt, erhielt praktische Tipps zum Ordern von lebensechten Leichen, erfuhr von Stripshows bei Beerdigungen in Taiwan oder geselchten Körpern als potentielle Touristenattraktion. Das erinnerte bisweilen an die bizarren Anekdoten, wie sie Tom Waits zwischen seinen Songs zu erzählen pflegt und bei denen man auch nie so genau weiß, ob sie nun wahr oder gut erfunden sind – was auch völlig wurscht ist.

Besonders unterhaltsam geriet die „Liste der traurigsten Instrumente“: Ostermayer nannte hier etwa das Alleinunterhalterkeyboard (wobei da der Kontext und das Toupet des Alleinunterhalters für die Traurigkeit verantwortlich seien) oder die Ukulele: Dieses kleine Instrument werde seltsamerweise vor allem von großen, dicken Männern gespielt, meinte Ostermayer, „die es sich auf den Bauch legen wie der Sodomit sein Lieblingstier“, um der Ukulele dann tieftraurige Töne zu entlocken.

Bei der Hawaiigitarre spannte er einen weiten und schmutzigen Bogen von imaginärem Sex am Sandstrand bis hin zu onanierenden Sternen, während er die Balalaika treffend als „Kartoffelschnaps unter den Saiteninstrumenten“ bezeichnete – warum, weiß ich leider nicht mehr. Und dann gab es da auch noch die herrliche Erzählung vom Mann mit dem Cello, das nur eine Saite hat. Den Gag verrate ich hier natürlich nicht – dazu hättet ihr selbst kommen müssen.

Ja, bei „Dirty Fritz“ Ostermayer geht sogar das durch, was bei anderen viel zu platt und derb wäre, etwa eine Enzyklopädie der Todesfürze („finale Flati“) – seiner oder in diesem Fall Thomas Edlingers (?) Sprachmächtigkeit und Raffinesse sei Dank. Da heißt es dann etwa poetisch-kosmisch, es sei, „als flatuliere hier ein Jüngling um die Gunst seiner Geliebten“ oder so ähnlich. Grind und Poesie sind bei Ostermayer nicht zu trennen.

„Im Sumpf“-Stammhörern (zu denen ich nicht zähle) dürften wohl einige dieser Texte bekannt vorgekommen sein – aber Ostermayer ist einer, dem man einfach gerne zuhört. Nicht nur wegen seiner ultrasonoren Radiostimme, der man jede Tschick und jeden Spritzer anzuhören meint, sondern vor allem, weil er wunderbar erzählen und vortragen kann. Nicht umsonst steht dieser Mann der Schule für Dichtung vor.

Apropos: Ein poetischer Ansatz prägt auch die Musik, die man dazu auf die Ohren bekam: Die Formation Vienna Rest in Peace versammelt Musiker, die bei verdienten Formationen wie Aber das Leben lebt, Kreisky oder Mord tätig waren bzw. sind, dazu die Sängerin und Songschreiberin Marilies Jagsch, die in Wörgl auch schon solo zu erleben war.

Vienna R.I.P. stehen für getragenen, Chanson- und Schlager-informierten „Trauerpop“, der natürlich bestens zur Jahreszeit passt (ein Blick aus meinem Fenster zeigt schon den ganzen Tag dieselbe grau-verhangene Trübnis, bei der man nie weiß, wie spät es eigentlich gerade ist).

Sehr schön gelang dabei, selbst ohne Kinderchor, das vergleichsweise beschwingte „Staat der Affen“, eine Art Wiener Dystopie samt umgestürztem Riesenrad, die trotzdem hoffnungsvoll klingt. Schließlich kennen die Affen, die hier die Herrschaft übernehmen, zwar das „gute Leben, das uns längst abhandenkam“, aber keine Melancholie und übrigens auch nicht die Beatles und die Stones. „Komm, wir bitten um Asyl“, heißt es gegen Ende konsequenterweise.

Gut gefallen haben mir auch „Sterbenswerte Stadt“ (ebenfalls mit politisch-poetischen Lyrics wie „Ich will nicht, dass du dich blau fühlst / in dieser sterbenswerten Stadt / die keine Fenster und auch keine Türen, aber so viele Mauern hat.“) oder das mir bislang unbekannte, sehr atmosphärische „Auf Geisterfahrt“.

Musikalisch berührte das Ganze vornehmlich dann, wenn die Refrains mehrstimmig vorgetragen wurden – und vor allem, wenn Sängerin Marilies Jagsch mit ihrer wunderbar fahlen Herbststimme hohe Trauerkompetenz beisteuerte. Da verschmerzt man sogar einmal ein Blockflötensolo! Sanftes Schlagwerk, Melodika und Quetsche steuerten weitere Farbtupfer bei.

Über die in gestelztem Hochdeutsch vorgetragenen Songtexte kann man geteilter Meinung sein, oft kommen die Lyrics schon arg verschwurbelt und verrätselt daher. Dazwischen fallen aber doch immer wieder ungewöhnliche und entlegene Sprachbilder ab. Und verqueren Humor gibt es obendrein: Etwa in „Peter Handke“, wo es zunächst heißt: „Meine Fehler wären einer Maschine nicht passiert“, am Ende dann: „Meine Fehler wären Peter Handke nicht passiert“. Laut (Haupt-)Sänger Wolfgang Wiesbauer geht es im Song um den „Unterschied zwischen erfolgreichen und erfolglosen Poeten: Die einen erhalten den Nobelpreis, die anderen spielen in der Zone Wörgl“.

Aber wer braucht schon Nobelpreise, wenn er Fritz O. hat? Im Zugabenteil griff er dann sogar selbst zum Gesangsmikrofon – ohne sich vorher überhaupt von der Bühne bewegt zu haben. Kaputte Gelenke lassen solche Mätzchen eben nicht zu. Dafür gab es den perfekten Rausschmeißer: eine würdige deutschsprachige Nachdichtung des „Weeping Song“ vom großen Dunkelmann Nick Cave. Die wurde mit einer Wucht, Lautstärke und Dynamik serviert, die ich mir auch vorher manchmal gewünscht hätte, wenn es allzu getragen wurde.

Am Ende eines Abends über das Ende durfte das handverlesene Publikum jedenfalls noch einmal mit vollem Recht jenen Jubel anstimmen, der Fritz Ostermayer besonders zusagte: „Juhu!“

WESEN AUS EINER HÖHEREN KLANGDIMENSION

Konzertbericht: ACID MOTHERS TEMPLE & THE MELTING PARAISO U.F.O. (Support: SIBIRIAN TRAINSTATION), Kulturfabrik Kufstein, 19. Oktober 2018

VORBEMERKUNG: Dieser Beitrag wird durch meisterhafte Fotos von KURT HÄRTING aufgewertet, vielen Dank dafür!

Veranstalter Mike Litzko vom verdienten Kufsteiner Kulturverein Klangfarben (der heuer übrigens sein fünfjähriges Bestehen feiert, herzlichen Glückwunsch!) steht als leidenschaftlicher Atheist nun wirklich nicht im Verdacht, religiöse Botschaften vermitteln zu wollen. Dennoch hatte das von Mike eingefädelte Kufstein-Gastspiel der wundersamen japanischen Formation Acid Mothers Temple am Freitagabend zweifellos eine erhabene, spirituelle, ja fast sakrale Dimension.

Doch der Reihe nach: Die „Messdiener“ an diesem Abend kamen zunächst aus einer ganz anderen Ecke: Sibirian Trainstation aus Kufstein stehen für brettharten Metalcore – persönlich ned mei Weda (wie der Unterländer sagt), aber sicher kompetent gespielt, geknüppelt, gerifft und gebrüllt. Die Wurzeln der Band im Punkrock merkt man ihnen in Sachen Druck und Dynamik noch an, das ist sympathisch, Energie und Einsatz stimmen jederzeit. Bei den anderen großen E (Eigenständigkeit, Experimentierlust, Expeditionen über die Genregrenzen hinaus) ist zwischen Kufstein und Wladiwostok wohl noch Luft nach oben. Aber wie gesagt, Metalcore ist halt einfach nicht unbedingt meine Welt.

(Foto: Kurt Härting)

Ob und wie dieser brachiale Support-Act zur Hauptband des Abends passte, sei dahingestellt. Kollege Johannes meinte nicht zu Unrecht, dass etwa das ebenfalls aus dem Tiroler Unterland stammende Neo-Shoegaze-/Psychedelic-Duo Molly musikalisch deutlich naheliegender gewesen wäre. Aber das ist natürlich alles Geschmackssache.

Das nachvollziehbare Kalkül des Veranstalters, den ganzen Abend (ein wenig irreführend) als „Metalparty“ zu titulieren, war wohl, zumindest ein paar Anhänger der lokalen Metalszene – nämlich die weltoffenen, neugierigen Exemplare – dazu zu bringen, ihren Allerwertesten hochzukriegen und sich neben den Lokalhelden auch auf diese verrückten Japaner einzulassen. Und das dürfte zumindest teilweise gelungen sein.

(Foto: Kurt Härting)

Damit nun zu Acid Mothers Temple & The Melting Paraiso U.F.O.: Wer im Vorfeld erwartet hatte, einen sehr ähnlichen Abend zu erleben wie beim Vorjahreskonzert in der Innsbrucker PMK (nachzulesen: HIER), täuschte sich – wurde aber bestimmt nicht enttäuscht. Aus meiner Sicht war das Konzert in der Kulturfabrik genauso großartig. Nur eben anders gelagert: In Innsbruck war das Gesamt-Klangbild droniger, ausufernder, lärmiger, ein phasenweise fast konturloser kosmischer Klangbrei (im positivsten Sinne!). Diesmal präsentierten sich Acid Mothers Temple deutlich strukturierter, bisweilen fast songorientiert, im Vergleich phasenweise fast, ähem, poppig (und dabei natürlich immer noch far, far out).

Zugleich – und da könnte ein direkter Zusammenhang bestehen – rückte diesmal die Band neben den beiden älteren, haarigen Frontmännern Kawabata Makoto (Gitarre) und Higashi Hiroshi (Roland-Synthesizer) viel stärker in den Vordergrund. Der androgyne Sänger und Gitarrist Jyonson Tsu etwa prägte vor allem die Anfangsphase mit hypnotisierenden Gesangslinien in einer schwer zuordenbaren Sprache und einem für mich ebenfalls schwer zuordenbaren, lautenartigen Instrument (Mandoline? Bouzouki? Sorry, Instrumentenkunde fünf, setzen).

(Foto: Kurt Härting)

Sein sympathisch-entrücktes Tänzeln fügte sich bestens zu den groovigen, beweglich-leichtfüßigen Bassläufen von „Wolf“ (guter Name, übrigens!). Ein denkwürdiges Ereignis war aber auch und besonders der furiose Drummer Satoshima Nani, der mit einer entfesselten, schweißspritzenden Performance selbst das Tier aus der Muppet Show so träge wie eine Weinbergschnecke hätte wirken lassen.

Ein echter – tut mir Leid, ohne dieses Klischee kommt ein eurozentristischer Beitrag nunmal leider nicht aus – Kamikaze-Drummer, dem ich persönlich noch bis ans Lebensende (meines oder seines) hätte zuschauen und lauschen können.

(Fotos: Kurt Härting)

Trotz aller Unterschiede zu Innsbruck: Auch diesmal waren sämtliche Elemente des Bandnamens im Sound wiederzufinden: der trippig-psychedelische Hippie-Irrsinn (Acid); die mütterlich umhüllenden, repetitiv-einlullenden Strukturen (Mother); die für westliche Rezipienten irgendwie Zen-buddhistische Weisheit, Ruhe und Versöhnlichkeit, die diese Musik ausstrahlt (Temple, womit wir wieder bei der Religion wären); und dazu das spacige, durchgeknallte Element, das mit „Melting Paraiso U.F.O.“ (was auch immer das bedeutet) schön umschrieben ist.

Denn tatsächlich landete diese Truppe in der Kulturfabrik wie Aliens, Wesen aus einer weiseren, schöneren und versöhnlicheren Zivilisation. Selbst in den lärmigsten, rauschhaftesten Momenten strahlt diese Musik eine friedvolle, meditative Aura aus, der man sich nicht entziehen kann und will. Die heilende Kraft der Repetition! Oder, etwas weniger hippiesk formuliert: Wo Sibirian Trainstation eine derbe Gnaggwatschn waren, sind Acid Mothers Temple eine lange, liebevolle Umarmung.

Ja, das hier ist Musik für geschlossene Augen – obwohl die Schauwerte erheblich waren: lange Bärte, lange Zodn, lange Gewänder mit seltsamen Zeichen drauf. Am schönsten waren auch diesmal jene Momente, in denen man sich ganz auf die Wiederholungen einlassen konnte, auf die minimalen Variationen und Verschiebungen, die allmählich anschwellende Lautstärke und den unterschwelligen Spannungsbogen – egal, ob die behutsamen Mutationen nun von Synthesizer, Gitarre, Bass oder Schlagzeug eingeleitet wurden.

(Foto: Kurt Härting)

Apropos: Für eine beglückende Sequenz sorgte zwischendurch auch ein plötzlicher Wechsel in die Clubmusik: Nur von Bassist und Drummer getragen, gab es da auf einmal eine Art Live-Techno auf die Ohren (wie man das etwa von den Österreichern Elektro Guzzi kennt und schätzt). Da brandete im Publikum spontan Jubel auf – und die Erkenntnis: Hey, dazu kann oder könnte man ja sogar tanzen!

Über all diesen schönen Eindrücken vergaß man, wie bei jeder guten Musik, ganz auf die Zeit. Da ging es auf einmal schon auf halb zwölf zu – und der Plan, mit dem Railjet noch zu einem sozial verträglichen Zeitpunkt zu einer Geburtstagsfeier in Innsbruck zu kommen, löste sich in wohligen Klangwolken auf.

Zum Abschluss spendierten Acid Mothers Temple noch einen langen Track – aber keinerlei schnöde Standard-Rituale wie Zugaben oder dergleichen. Zurecht: Bei einem Gottesdienst gibt es schließlich auch keine Zugabe.

Dass zwischendurch ein paar respektlose Elemente im Publikum, gerade in ruhigen Momenten, die sakrale Atmosphäre mit profanem Geplapper entweihen mussten, könnte man als eine Art Übung in buddhistischem Gleichmut begreifen. Gerne hätte man „He, es Oschlecha, hoids endlich de Pappn oda geht’s an die Bar!“ gerufen – wäre man zu diesem Zeitpunkt nicht schon viel zu menschenfreundlich gestimmt gewesen. Und man hatte immerhin den Eindruck, dass selbst diese Störenfriede vom Konzert angetan waren. Wie überhaupt kaum jemand im überschaubaren, aber begeisterungsfähigen Publikum das Kommen an diesem Abend bereut haben dürfte.

Denn: So etwas erlebt man nicht nur in Kufstein nicht alle Tage – danke dafür, Mike!

(Foto: Kurt Härting)

Das letzte Wort soll nun aber einem mir unbekannten Konzertbesucher gehören, der die Sache in breitestem Unterinntaler Zungenschlag auf den Punkt brachte: „Boah, i had ma’s ned so geil vuagstöd!“

Von der schäbigen Würde des „Eierkicks“ – endlich ein guter Fußballsong!

HIT THE BASSLINE PRÄSENTIERT: TRACK DER WOCHE, # 25:
DER NINO AUS WIEN – UNENTSCHIEDEN GEGEN RIED (2018)

Fußball und Musik – das ist nicht unbedingt eine fruchtbare Beziehung.

Dabei sind sich die Kickerei und die alternative Popkultur heute wahrscheinlich näher denn je. Längst hat das Thema Fußball Kreise erreicht, die sich jenseits aller negativen Begleiterscheinungen des Weltsports Nummer eins (Rassismus, Nationalismus, Kommerz, Korruption, Katar) intensiv mit Fußballkultur auseinandersetzen. Und zwar mit Humor und Enthusiasmus, aber ohne den intellektuellen Dünkel und die Verachtung, mit der man dem Phänomen früher im (Hoch-)Kulturmilieu oft begegnete.

Alternative Fußballmagazine wie 11 Freunde und Ballesterer oder auch die Fußballanalysen von Martin Blumenau auf FM4 mögen als deutschsprachige Beispiele für diesen Paradigmenwechsel genügen. In England stehen sich Pop- und Fußballnerds ohnedies schon viel länger nahe (Paradebeispiel Nick Hornby, der beides in Personalunion verkörpert).

Und es ist auch nicht so, dass im Kontext von Fußball grundsätzlich keine gute Musik vorkommen würde: Die Soundtracks zur FIFA-Computerspielreihe präsentieren sich beispielsweise schon seit den fernen Tagen, als ich mich noch für Games (und Vereinsfußball) interessiert habe, stets spannend, weltoffen und am Puls der Zeit. Die 19er-Ausgabe enthält z.B. Tracks von so formidablen KünstlerInnen wie Courtney Barnett, Gorillaz, Jungle, Death Cab For Cutie, den Crystal Fighters, Bob Moses, den Young Fathers oder Childish Gambino. Passt!

Umso erstaunlicher ist es, dass es nach wie vor sehr wenige brauchbare Lieder über das Thema Fußball selbst gibt. Dazu muss man nur in die Stadien hineinzuhören: Dort dominieren – so weit ich das noch mitbekomme – bis heute stumpf stampfender Stadionrock (der Begriff kommt nicht von ungefähr), patriotischer Befindlichkeitsschlager oder, wenn man an die Sprechchöre denkt, (mehr oder) weniger gelungene Verballhornungen von Klassikern der Popgeschichte.

Mich würde z. B. nach wie vor interessieren, was Jack White eigentlich darüber denkt, dass sein Riff zu „Seven Nation Army“ auf seltsamen Wegen zu einem DER globalen Fußball-Schlachtgesänge wurde. Ein AMI und Fußball, das geht aus Sicht des Durchschnittsfans ja eigentlich gar nicht zusammen! Interessieren würde mich außerdem, ob Welthits wie „Yellow Submarine“ oder „Those Were The Days“ von den Fans nach wie vor dazu herangezogen werden, die sexuelle Orientierung des gegnerischen Spielmachers in Frage zu stellen oder die unterlegene Mannschaft zum „nach Hause geh’n“ aufzufordern.

Witzig-absurde Adaptionen wie die Umdichtung des 90er-Jahre-Eurotrash-Klassikers „Freed from Desire“ von GALA auf „Will Grigg’s on Fire“ durch die sangesfreudigen nordirischen Fans („Will Grigg’s on fire / Your defence is terrified“ …) bleiben leider nach wie vor die Ausnahme von der stumpfsinnigen Regel. 

Noch zweifelhafter sind die Ergebnisse eigentlich nur, wenn Fußballer sich bemüßigt fühlen, selbst zum Mikrofon zu greifen. Und da muss man gar nicht mal an die kroatischen Kicker denken, die heuer zusammen mit dem rechtsextremen Rocker Thompson sangen und abfeierten. Auch die, ähem, historischen Auftritte von Franz Beckenbauer oder gar dem Chor der österreichischen Sportreporter (sic!) sind mit Worten wie „jenseitig“ am besten beschrieben (aber zumindest irgendwie lustig, was man von Thompson nun wirklich nicht behaupten kann). „Nachtfalke“ Hans Krankl alias Johann K. zählt in der Zunft der singenden Fußballer jedenfalls noch zu den Höhepunkten.

Die sogenannten WM- und EM-„Hymnen“ wiederum zeichnen sich vor allem durch ihre absolute Austauschbarkeit und Harmlosigkeit aus – und sind schneller wieder vergessen, als man „abseitsverdächtig“ sagen kann. „Live it Up“, anyone?

Am ehesten kann man sich hier vielleicht noch an die (auch recht nervige und seither mehrfach recycelte) Sportfreunde-Stiller-Nummer „’54, ’74, ’90, 2006“ erinnern, die immerhin von echter Leidenschaft für die Thematik zeugte. Die Sportis tragen ihr Interesse an Athletik schließlich schon im Bandnamen – und der Titel ihres (noch durchaus coolen) Debütalbums „So wie einst Real Madrid“ (2000) spricht ebenso für sich. Genau wie der Name einer weiteren Band von Sportfreunde-Drummer Florian Weber: Bolzplatz Heroes. Ach ja, und einen weiteren Fußballhit namens „Ich, Roque“ (feat. den paraguayischen Kicker Roque Santa Cruz) hatten die Stillers auch. (Danke an Julian D. für die Erinnerung).

Aber wo bleiben nun die WIRKLICH guten Fußball-Lieder? Außer dem ebenso unverwüstlichen wie offensichtlichen „Three Lions (Football’s Coming Home)“ der englischen Alternative-Band The Lightning Seeds oder dem kitschverdächtigen „You’ll Never Walk Alone“ von Gerry and the Pacemakers (ebenfalls aus Liverpool) fällt einem da spontan nicht viel ein. Vielleicht noch der deutsche Rapper Marteria/Marsimoto, in seiner Jugend selbst deutscher Nationalkicker, der immer wieder für Sport- und Fußballmetaphern gut ist, derzeit etwa im Hit „Champion Sound“ gemeinsam mit Casper.

Das einzige wirklich coole Lied über Fußball, das ich bis vor Kurzem kannte, stammt von der französischen Formation Mickey 3D und dreht sich um den (mir unbekannten) ehemaligen holländischen Fußballstar Nicolas „Johnny“ Rep, der u. a. gemeinsam mit Michel Platini bei St. Etienne kickte – wie auch dem mitreißenden Kommentatorensample im Song zu entnehmen ist.

Doch jetzt gibt es endlich ein weiteres, rundum gelungenes Lied über das, ähem, runde Leder! Der Song stammt aus Österreich, genauer gesagt von Der Nino aus Wien, und trägt den ziemlich großartigen Titel „Unentschieden gegen Ried“, der eigentlich schon alles aussagt.
Hier geht es nicht um die große, glitzernde, von Pathos und Drama erfüllte Fußballwelt, nicht um die Champions League, ja nicht einmal um die Europa League, sondern um den deutlich weniger glamourösen (Fußball-)Alltag in den Untiefen der Heimat: „Eierkick“, „Wiener Liga“, raunzende Altfans, die „Hearst spü eahm, gib eahm, renn a bissl schnölla mitm Boi“ brüllen und zugleich dem „Ogerl“ oder dem „Kurtl Jara“ nachtrauern – das ist der Stoff, aus dem dieses Lied gemacht ist.

Schon im wunderbaren „Praterlied“ hatte Nino genau diese Form der Alltagspoesie perfektioniert: Leberkas, Dosenfisch und „Gösserbier“, beim Nah & Frisch erworben – so etwas erzählt einfach viel mehr über das tägliche Leben in Österreich als irgendwelche geschraubt-pathetischen Texte über große Gefühle. Und Ninos Fußball-Affinität wurde darin auch schon deutlich, u. a. in der perfekt ins Kreuzeck gezirkelten Zeile „Zhaus spüst ab bissl FIFA und valierst“. Der Alltag ist halt meistens eher Regionalliga als Champions League – deshalb heißt er ja Alltag.

Genau diesem tristen Alltag Witz und, ja, auch Würde abzugewinnen, gelingt Nino in „Unentschieden gegen Ried“ ein weiteres Mal – und ein richtiger Ohrwurm ist das Ganze obendrein. Auch auf die Gefahr hin, nun fünf Euro ins Phrasenschwein werfen zu müssen, bleibt mir als Matchbericht nur Folgendes zu sagen: ein Volltreffer!

Wow! Die definitiven, endgültigen, kumulierten HIT The Bassline-Jahrescharts 2017! Schon jetzt für Sie!

Wäre dieser Blog ein menschliches Wesen und wir als Autoren seine Väter, dann stünden wir alle längst wegen schwerer Kindesvernachlässigung vor Gericht. Und das Sorgerecht für unser Blog-Baby hätte man uns völlig zu Recht entzogen.

Dass sich die wenigen Beiträge der letzten Monate großteils um das längst verblichene Jahr 2017 gedreht haben, macht die Sache nicht besser, höchstens bizarrer. Und jetzt kommt’s richtig dick: Der folgende Beitrag handelt einmal mehr vom Jahr 2017!

Denn hier und heute, am 272. Tag des Jahres 2018, zu einer Zeit, in der die meisten Menschen langsam in Adventstimmung kommen, dürfen wie sie endlich präsentieren – die kumulierten „HIT The Bassline“-Jahrescharts 2017!

Wenn drei hemmungslose Musik-Eklektiker mit stark individualisierten Geschmäckern je hundert Lieblingslieder eines Jahres zusammentragen, sind Überschneidungen naturgemäß eher selten. So auch bei uns: Ich habe beispielsweise die großartige Sophia Kennedy gleich mit drei Songs in meinen Top 100, der geschätzte Kollege Steff einmal – und das natürlich ausgerechnet mit einem Lied, das ich NICHT drin habe. LCD Soundsystem wiederum scheinen bei Steff gefühlte zwanzigmal auf – aber der einzige Song, den ich von Herrn Murphy in der Liste habe, ist nicht dabei.

Weitere Beispiele? Blanck Mass gefallen Johannes und Steff gleichermaßen gut, nur gilt das offenbar für ganz verschiedene Songs. Ähnlich bei Slowdive, die sich völlig zu Recht bei jedem von uns an prominenter Stelle in den Bestenlisten wiederfinden (btw, was für ein göttlicher Auftritt beim Primavera-Festival!) – aber mit keinem Lied in allen dreien.

Und doch ist bei den Jahrescharts 2017 erstmals das Wunder geschehen – und das gleich doppelt: Es gibt tatsächlich satte zwei Songs, die sich bei jedem von uns in der 100er-Auswahl finden!

Diese Tatsache beschert uns mit FLUT und ihrem erbarmungslos eingängigen 80s-Klassiker-ups-der-ist-ja-von-heute „Linz bei Nacht“ einen recht unerwarteten bis seltsamen Jahressieger. Und mit den kosmopolitischen Souljazzelektroafrocuban-Rebellinnen von Ibeyi einen hochverdienten dritten Platz. Dazwischen liegt mit Mavi Phoenix eine weitere junge Künstlerin mit Lebensmittelpunkt Österreich – eine, die wirklich in keiner Bestenliste 2017 fehlen durfte und darf.

Überhaupt: Schöne und stimmige Top 10! Und insgesamt, wie ich finde, sehr vielfältige und würdige Top 40, mit denen wir dieses schöne Musikjahr zwar sauspät, aber nunmehr ruhigen Gewissens für uns abschließen können.

UND, ähem, DAS SIND SIE NUN – DIE TOP 40 von HIT THE BASSLINE 2017:

Platz / Interpret / Titel / Punkte (Michael, Stefan, Johannes)

1. FLUT – Linz bei Nacht: 183 (81, 77, 25)

2. Mavi Phoenix – Aventura: 155 (96, 59, -)

3. Ibeyi – Away Away: 147 (20, 69, 58)

4. Kendrick Lamar – DNA.: 124 (82, -, 42)

5. Ghostpoet – Freakshow: 124 (37, 87, -)

6. Slowdive – Sugar for the Pill: 123 (70, -, 53)

7. MGMT – Little Dark Age: 119 (66, 53, -)

8. Cigarettes After Sex – Each Time You Fall In Love: 118 (80, 38, -)

9. Slowdive – Slomo: 114 (-, 96, 18)

10. Grizzly Bear – Wasted Acres: 109 (46, 63, -)

11. Sophia Kennedy – Something Is Coming My Way: 100 (100, -, -)
LCD Soundsystem – How Do You Sleep?: 100 (-, 100, -)
Godspeed You! Black Emperor – Anthem for No State: 100 (-, -, 100)
14. Dan Croll – Away From Today: 99 (48, 51, -)
Goat Girl – Scum: 99 (99, -, -)
P.O.S. – Faded: 99 (-, 99, -)
Slowdive – Don’t Know Why: 99 (-, -, 99)
18. Cosmo Sheldrake – Come Along: 98 (98, -, -)
Portugal. The Man – Feel It Still: 98 (-, 98, -)
Blanck Mass – Please: 98 (-, -, 98)
21. Goat Girl – Cracker Drool: 97 (97, -, -)
The xx – Dangerous: 97 (-, 97, -)
Idles – 1049 Gotho: 97 (-, -, 97)
24. Ulver – Rolling Stone: 96 (-, -, 96
25. MOLLY – Glimpse: 95 (95, -, -)
Trails and Ways – Happiness: 95 (-, 95, -)
Forest Swords – Panic: 95 (-, -, 95)
28. FLUT – Sterne: 94 (94, -, -)
Spoon – Hot Thoughts (David Andrew Sitek Remix): 94 (-, 94, -)
Paul Plut – Grat:
94 (-, -, 94)
31. Cigarettes After Sex – Apocalypse: 93 (93, -, -)
The xx – Replica: 93 (-, 93, -)
Amenra – A Solitary Reign: 93 (-, -, 93)
34. Benjamin Clementine – God Save the Jungle: 92 (92, -, -)
Noel Gallagher’s High Flying Birds – Dead In the Water (live): 92 (-, 92, -)
Cristobal and the Sea – Goat Flokk: 92 (-, -, 92)
37. Charlotte Gainsbourg – Deadly Valentine: 91 (16, 75, -)
Ariel Pink – Bubblegum Dreams: 91 (91, -, -)
Hundred Waters – Blanket Me: 91 (-, 91, -)
Forest Swords – War It: 91 (-, -, 91)

Britischer Grant, himmlische Harmonien, Aktuelles, Kurioses und Funkiges

Protokoll des Hörabends vom 24. & 25. August 2018:

Noch stehen die leeren Flaschen und Gläser am Tisch, noch sind die Chipsbrösel nicht eingesaugt – und schon ist das (hoffentlich halbwegs vollständige) Protokoll des eben zu Ende gegangenen, gleichermaßen geselligen wie unterhaltsamen Hörabends online. Und da soll noch eine/r sagen, unser Blog wäre so langsam und schwerfällig … Das hier hat ja fast schon Live-Ticker-Qualität!

Und weil die Bandbreite eines solchen laaaangen Musikabends immer wieder erstaunlich und im Nachhinein kaum greifbar ist (diesmal reichte die Palette von den Fifties bis 2018, von Wien bis Wales, von Brasilien bis Nigeria, vom Al-Bano-&-Romina-Power-Cover bis hin zum hawaiianischen Tearjerker) gibt es die Songliste diesmal sogar in saubere Themenblöcke geordnet. Dem Autor dieser Zeilen war es ein Volksfest! (Nur dass auf Volksfesten leider nie eine solche Playlist laufen wird).

Zu hören war:

Schlecht Gelauntes von der Insel:
IDLES – Mother
IDLES – Well Done
Goat Girl – Cracker Drool
Goat Girl – Scum
Sleaford Mods – I Can Tell
Hefner – The Day That Thatcher Dies
Blur – Parklife
Mclusky – To Hell With Good Intentions
Future of the Left – The Real Meaning Of Christmas
The Fall – How I Wrote ‚Elastic Man‘

Noise-Rock, Indie und österreichische Polit-Satire aus den 80ern:
Half Japanese – Deadly Alien Spawn
Half Japanese – Put Some Sugar On It
Half Japanese – Sugarcane
Half Japanese – Day And Night
Violent Femmes – American Music
Violent Femmes – Do You Really Want To Hurt Me?
Violent Femmes – Gone Daddy Gone
Drahdiwaberl – Mad Cat Sadie
Drahdiwaberl – Psychoterror
Drahdiwaberl – Jeanny Part 13
Drahdiwaberl – Stechschrittmambo
Violent Femmes – America Is

Himmlische Vokalharmonien:
Beach Boys – God Only Knows
Beach Boys – You Still Believe In Me
Beach Boys – Do It Again
Beach Boys – Little Deuce Coupe
Commander Cody And His Lost Planet Airman – Hot Rod Lincoln
Teenage Fanclub – I Need Direction
Teenage Fanclub – Don’t Look Back
Deep Throat Choir – Be OK
Simian Mobile Disco feat. Deep Throat Choir – Hey Sister
The Bees – Horseman
R.E.M. – Moral Kiosk
R.E.M. – West Of The Fields
Fleet Foxes – White Winter Hymnal
La Luz – Mean Dream
Little Eva – The Locomotion

Aktuelles und Kurioses aus 2017 & 2018:
Cari Cari – Mapache
Cari Cari – Nothing’s Older Than Yesterday
Cari Cari – White Line Fever
Lali Puna – The Bucket
(Kings Of Leon – The Bucket)
Das Lunsentrio – Im Goldenen Hahn (Bumm Bumm Bumm Bumm / Bamm Bamm Bamm Bamm) [Al Bano Carrisi & Romina Power-Cover]
Das Lunsentrio – Das letzte Edelweiss

Quer durchs globale Gemüsebeet – deutscher Elektro-Punk, österreichischer Postpunk, US-amerikanische Jazz/Funk/Disco-Grooves, afrobrasilianische Jazz/Funk/Soul-Sounds, nigerianischer Funk/Elektro/Afrobeat-Frohsinn:
Komplikations – The City
Kreisky – Ein Depp des 20. Jahrhunderts
Kreisky – Veteranen der vertanen Chance
Idris Muhammad – Could Heaven Ever Be Like This [da hat Jamie XX den Refrain von „Loud Places“ geklaut!]
Ed Motta – Dried Flowers
William Onyeabor – Good Name
William Onyeabor – Fantastic Man

Rausschmeißer, von kurios über klassisch und brandneu bis hawaiianisch-nostalgisch:
Jürgen Dose – Todesfalle Haushalt
Rocko Schamoni – Der Mond
International Music – Cool bleiben
Buddy Merrill – Beyond The Reef