Silvester, Zeit für Jahrescharts!

Schnell zusammengeschustert.
(und falsches Jahr. Aber das neue war eh nicht so.)

1 Nilüfer Yanya – „In Your Head“

„Wie kann ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?“, ist ein Satz des britischen Autors E. M. Forster, bekannt für Werke wie „Howards End“ oder „A Room with a View“. Gut, Nilüfer Yanya spricht zwar nicht über „meine“ (aus ihrer Sicht), sondern „deine“ Gedanken, und mangelnde Telepathie-Fähigkeiten sind wahrlich nichts Revolutionäres, aber bei Sätzen wie „And I can think what I want / And I can feel what I feel / Until you say it out loud / How will I know if it’s real?“ fühle ich mich trotzdem unweigerlich an Forsters Bonmot erinnert. Abgesehen davon: Besonders von 1:55 bis 2:25 fügt sich hier alles zum Lied des Jahres zusammen.

2 Vampire Weekend „This Life“

„Deine Lieblingsband!“, rufe ich Astrid zu, wann immer Vampire Weekend im Radio kommen. Das trifft zwar gar nicht zu, aber mit dem Klang dieser Band schwingt so vieles mit, was ich mit ihr assoziiere. Vampire Weekend hat Warmherzigkeit, den bittersüßen Klang von Wehmut und Melancholie, Texte voller Witz, Intelligenz und Charme. Und ich schwöre, wenn sich Serie (2000-2007) und Band (seit 2006) zeitlich etwas besser getroffen hätten, wären Vampire Weekend bei den „Gilmore Girls“ ständig genamedropped worden.

3 Chromatics „On the Wall“

Tickende Uhren kann ich eigentlich nicht ausstehen, im Schlafzimmer empfände ich sie als Folter. Doch ich liebe dieses „tick, tick“, das sich durch „On the Wall“ zieht, genauso wie ich schon „Tick of the Clock“ der Chromatics aus dem Jahr 2007 liebte, das den Ryan-Gosling-Film „Drive“ so prägte (und seit Jahren leider auch die Commerzbank-Werbung). „On the Wall“ ist eine Cover-Version eines Songs der schottischen Shoegaze-Band The Jesus and Mary Chain, die Astrid und ich (und sicher auch der ebenfalls anwesende Justin Barwick) 2017 am Route du Rock-Festival in St. Malo sahen, damals allerdings ohne „On the Wall“. Chromatics-Mastermind Jimmy Jewel wäre übrigens 2017 auf Hawaii fast ertrunken und hat danach das geplante Album „Dear Tommy“ in die Tonne getreten. Sängerin Ruth Radelet mit der charismatischen Stimme ist seine Ex-Frau.

4 Sudan Archives „Glorious“

Das Land des Musikjahres 2019 ist sensationell Sudan, obwohl Brittany Parks aka Sudan Archives eigentlich gar nix mit dem Land zu tun hat. Anders als der ebenfalls in den Jahrescharts auftretende Ahmed Abdullahi Gallab aka Sinkane, der tatsächlich dort aufwuchs. Parks ist ein Geigen-Wunderkind – und Geigen punkten bei mir immer. Bitte in diesem Zusammenhang das Album-Artwork zu Sudan Archives‘ „Athena“ googlen.

5 Billie Eilish „When the Party’s Over“

Damals hatte sie noch blaue Haare und saß weißgewandet in einem weißen Raum. Und dann trank sie dieses Glas Öl und es rann ihr schwarze Kürbiskernsuppe aus den Augen. Oag. 640 Millionen Views auf YouTube. Und kürzlich übrigens von James Blake wundervoll neu interpretiert.

6 Brittany Howard „Stay High“

Ihre ältere Schwester Jaime starb 1998 an einem bösartigen Tumor im Auge, weshalb Alabama-Shakes-Sängerin Brittany Howard ihr erstes Solo-Album „Jaime“ nannte. In „Stay High“ kommt sie stimmlich hoch hinaus.

7 Elbow „Dexter & Sinister“

Seit 1999 haben es bereits 13 Elbow-Lieder in meine Jahrescharts geschafft, doch „Dexter & Sinister“ ist das erste in den Top 10. In einer gerechten Welt hielte die Welt den Atem an, wann immer Elbow ein neues Album veröffentlichen – und nicht bei fucking Coldplay. Die von „Hit-the-Bassline“-Kollege Michael Domanig hoch gelobte Jesca Hoop singt hier übrigens Backing-Vocals.

8 Metronomy „Salted Caramel Ice Cream“

Ich habe bis vor Kurzem nicht gewusst, dass „Karamellisieren“ in der Küchensprache für heißes Anbraten steht und nicht (notwendigerweise) mit Zucker zu tun hat. Kein Zucker in karamellisierten Zwiebeln. Hm! Äußerst süß ist aber das Musikvideo zu „Salted Caramel Ice Cream“ von Metronomy. Ganz nach meinem Geschmack.

9 Michael Kiwanuka „Rolling“

2020 gewann Kiwanuka für das Album „Kiwanuka“ völlig verdientermaßen den prestigeträchtigen Mercury Prize. „Rolling“ ist kurz (unter drei Minuten) und fantastisch.

10 Coldplay „Champion of the World“

Fucking Coldplay! Manchmal doch noch unwiderstehlich.

11 Friedberg „Go Wild“

Anna F. gewinnt die Österreich-Wertung meiner Charts.

12 Georgia „Started Out“

Georgia Barnes ist die Tochter des Leftfield-Masterminds Neil Barnes. Im Jahr 2000, als es Leftfields „Swords“ in meinen Jahrescharts auf Platz 31 schaffte, war Georgia zehn Jahre alt.

13 Voodoo Jürgens „Angst haums“

Gelungenes Nachfolge-Album seiner Breakthrough-„Ansa Woar“.

14 Metronomy „Whitsand Bay“

15 Clairo „I Wouldn’t Ask You“

Produziert von Rostam Batmanglij, Ex-Mitglied von Vampire Weekend. Da haben wir sie wieder.

16 Sebastian feat. Syd „Doorman“

Post-Haudrauf-Elektro.

17 Elbow „On Deronda Road“

18 Jenny Hval feat. Vivian Wang „Lions“

19 Vampire Weekend feat. Steve Lacy „Sunflower“

20 Cassius feat. Vula Malinga „W18“

Neuinterpretation des Cassius-Hits „Woman“. Star-Produzent und Lebemann Philippe Zdar (The Rapture, Phoenix, Hot Chip) stürzte im Juni 2019 aus dem 19. Stock eines Pariser Gebäudes.

21 Charli XCX feat. Christine & the Queens „Gone“

22 Noel Gallagher’s High Flying Birds „Black Star Dancing“

23 Post Malone feat. Swae Lee „Sunflower“

Offenbar die Blume des Jahres.

24 Wolfram feat. Falco „Amadeus“

Schaffte es nur auf die Vinyl-Edition des Albums – die ich zwar besitze, aber nicht auspacke, weil ich keinen Plattenspieler aufgebaut habe.

25 Caroline Polachek „So Hot You’re Hurting my Feelings“

26 Seeed „Ticket“

Auch da schwingt nach dem Tod von Bandmitglied Demba Nabé (Boundzound) viel Melancholie mit.

27 Bilderbuch „Kitsch“

28 Rin feat. Bilderbuch „Nimmerland“

29 Metronomy „Walking in the Dark“

30 Michael Kiwanuka „You Ain’t the Problem“

31 Sinkane „Mango“

Sudan.

32 Vampire Weekend feat. Steve Lacy „Flower Moon“

33 Lizzo „Juice“

Lizzo prägte 2019 wie kaum eine andere Musikerin. War mir danach aber vielleicht etwas zu präsent für eine höhere Platzierung.

34 Vampire Weekend “2021”

35 Milky Chance feat. Tash Sultana „Daydreaming“

36 Foals „In Degrees“

Die eine oder andere hörenswerte Rock-Band gibt es tatsächlich noch.

37 King Princess „Tough on Myself“

Aus dem großartigen Album „Cheap Queen“.

38 LCD Soundsystem „Seconds“

Meine Lieblingsband der 2000er/2010er mit einem mehr oder weniger 1:1-Cover einer meiner Lieblingsbands der 1980er, The Human League.

39 KH „Only Human“

KH ist Kieran Hebden, also Four Tet. Stammgast in meinen Jahrescharts (11x).

40 Michael Kiwanuka „Hero“

41 Toro Y Moi „Ordinary Pleasure“

Ohrwurm: „Maximize all the pleasure / Even with all this weather / Nothing can make it better / Maximize all the pleasure“

42 Solange „Binz“

Produziert von Panda Bear.

43 Trettmann & Kitschkrieg feat. Alli Neumann „Zeit steht“

Alli Neumann ist auch Schauspielerin, etwa im Spielfilm-Debüt von Kim Frank, Ex-Sänger von Echt, „Wach“ (2018).

44 !!! „Couldn’t Have Known“

Fängt besser an als es aufhört.

45 Little Simz „Offence“

46 Two Door Cinema Club „Talk“

47 Sharon Van Etten „Seventeen“

48 Wolfram feat. Yung Hurn & Egyptian Lover „Rein“

49 Clairo „Bags“

50 Hot Chip „Hungry Child“

51 Gang Starr feat. J. Cole „Family and Loyalty“

52 Toro Y Moi „Fading“

53 Sampa the Great „Final Form“

54 Chromatics „You’re no good“

55 Sleater-Kinney „Hurry on Home“

56 Billie Eilish „Bad Guy“

57 Voodoo Jürgens feat. Jazz Gitti „‚S klane Glücksspiel“

Zu wenig Jazz Gitti für meinen Geschmack.

58 JARV IS … „Must I Evolve?“

59 The Chemical Brothers „We’ve Got to Try“

60 Georgia „About Work the Dancefloor“

61 Foals „Cafe d’Athens“

62 Vanishing Twin „Planète Sauvage“

Retrofuturistisch.

63 5K HD „Crazy Talk“

Man glaubt ja kaum, welch hochwertige Musik heutzutage in Österreich gemacht wird.

64 Koffee „Toast“

65 Coldplay „Arabesque“

Die schon wieder.

66 John Roberts „Looking“ (Gerd Janson Remix)

67 Ezra Furman „Calm Down aka I Should Not Be Alone“

68 King Princess „You Destroyed My Heart“

69 Caroline Polachek „Pang“

70 Billie Eilish „Everything I Wanted“

71 Panda Bear „Dolphin“

72 Mickey feat. Kerosin95 „Alle up“

73 Vampire Weekend „Harmony Hall“

Hier war Ex-Mitglied Rostam auch dabei.

74 Wolfram feat. Peaches „Automatic“

Italo-Disco!

75 Sinkane „Everybody“

76 Mabel „Bad Behaviour“

Tochter von Neneh Cherry.

77 Lou Asril „Divine Goldmine“

78 Foals „White Onions“

79 FKA twigs „Cellophane“

80 Parov Stelar „Number One MC“

81 Automatic „Signal“

82 Angel Olsen „All Mirrors“

83 Sampa the Great „OMG“

Kommt ebenso wie Little Simz und Daft Punk in der sehr empfehlenswerte 2020er-Serie „I May Destroy You“ vor.

84 Doja Cat feat. Smino „Won’t Bite“

85 Dives „Chico“

86 Sebastian feat. Gallant „Run For Me“

87 Ariana Grande „7 Rings“

88 Lizzo „Truth Hurts“

89 Tycho „Into the Woods“

90 Caribou „Home“

91 Danny Brown „Best Life“

92 Soak „Knock Me Off My Feet“

93 Chance the Rapper feat. Ben Gibbards „Do You Remember?“

Schon sehr cheesy.

94 Charlotte Gainsbourg „Such a Remarkable Day“

95 Nick Murphy „Sanity“

96 King Princess „If You Think It’s Love“

97 The New Pornographers „Falling Down the Stairs of Your Smile“

98 CamelPhat feat. Jake Bugg „Be Someone“

99 Jack Penate „Murder“

100 Salute feat. The Diamonds are Black! „Skin“

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