Saubartl mit Dackelblick

Konzertbericht: Adam Green, Weekender Club Innsbruck, 13. November 2013

In einer globalisierten Musikwelt können die seltsamsten Sachen passieren. Zum Beispiel, dass ein skurriler Songwriter aus New York, der es in seiner Heimat nie wirklich über den Status eines Insider-Tipps hinausgebracht hat, im Herzen von Tirol wie ein Superstar gefeiert wird. Und womit? Mit Recht.

Denn Adam Green, das wurde im restlos ausverkauften Weekender Club rasch deutlich, ist tatsächlich ein begnadeter Entertainer. Mit seiner wunderbar sonoren, fast schon klassischen Crooner-Stimme (die bei einem Hänfling wie ihm umso erstaunlicher wirkt) und seinem sympathisch-verpeilten Auftreten hatte er das – nicht nur für Tiroler Verhältnisse – sehr enthusiastische und feierwillige Publikum von der ersten Minute an in der Hand.

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Dass Mr. Green tatsächlich über beachtliche Starpower verfügt (zumindest bei uns in Europa), beweisen folgende rhetorische Fragen:

– Wie könnte er es sich sonst erlauben, mit einem geschmackfreien weißen Rüschenhemd, purpurner Jacke und Alpini-Schlapphut ungelenk über die Bühne zu tanzen wie ein „beschwipster Elf“ (um Christiane Fasching von der Tiroler Tageszeitung zu zitieren)?

– Wie könnte es ihm sonst gelingen, bei einem reinen Akustikkonzert (Green wurde lediglich vom italienischen Gitarristen Francesco Mandelli begleitet) derart ausgelassen dem Stagediving zu frönen – und das gleich mehrfach?

– Wem sonst würde man ein fast schon absurd schlechtes Wortspiel wie „Serge Innsbruck“ verzeihen? (Eine lautmalerische Anspielung auf Serge Gainsbourg, die selbst dann nicht wirklich funktioniert, wenn man den Namen des Franzosen deutsch oder englisch ausspricht)?

– Wer sonst könnte das Publikum dazu bringen, aus vollem Hals versaute Zeilen wie „And I’ll be getting head / Under the rainbow / And I’ll be getting head / Under the rainbow – oh oh oh“ mitzusingen, wenn nicht dieser schräge kleine Mann mit dem sanften Dackelblick?

Aller offensichtlichen oder zelebrierten Bedröhntheit zum Trotz war Adam Green stimmlich und musikalisch voll auf dem Punkt und schüttelte neben einigen unbekannteren Nummern eine erstaunlich große Zahl an Hits aus dem Rüschenärmel. Das reichte vom grandiosen „Buddy Bradley“ (2010) bis zum unvermeidlichen „Emily“, von „Gemstones“ bis „Dance With Me“, von „Friends Of Mine“ bis zum vielbejubelten „Jessica“. Mit dem wunderschönen „Here I Am“ brachte er auch eine Nummer von seinem Duett-Album mit Binki Shapiro (2013) zu Gehör, die ich heuer bereits in Barcelona genießen durfte.

Und da der vielzitierte Funke zwischen Bühne und (klar weiblich dominiertem) Publikum laufend übersprang, setzte es auch mehrere Zugaben, von denen Green ein paar sogar alleine zur Klampfe vortrug. Dass die drastisch-bizarren Texte zu Songs wie „I wanna die“ („She was a man with Herpes / floating in a yellow stream / running through the windows backwards / kissing all the buildings clean“) oder dem ganz frühen „Mozarella Swastikas“ alles andere als jugendfrei sind, tat der unterhaltsamen Wirkung natürlich keinen Abbruch. Vor allem im Kontrast mit den geradezu lieblichen Melodien …

Ebenso grundsympathisch wie Adam Green (der sich nach dem Konzert ausgiebig mit den Fans ablichten ließ) war auch die österreichische Singer-Songwriterin Mika Vember, die das Vorprogramm bestritt. Nur begleitet von Martina Winkler am Akkordeon, ließ sie das Publikum zu Radioheads „Creep“ Walzer tanzen (sic!) und servierte am Ende mit „We all agree“ einen feinen, kleinen Hit.

Übrigens: Stimmungsvolle Fotos vom Konzert gibt’s hier.

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