Archiv für den Autor: David Obwaller

Warten auf den Sommer

HIT The Bassline Has Got You Covered, # 1: Summer Breeze

Es gibt viele totgespielte Klassiker, darunter ist „Johnny B. Goode“ wohl die unangefochtene Nummer eins. Im Original von Chuck Berry, danach über Jahrzehnte von unzähligen Musikern bis heute nachgespielt und im Repertoire praktisch jeder Coverband, kann ich weder Original noch Coverversionen mehr hören.

Doch abseits der (un-)toten Klassiker gibt es auch große Popsongs, die etwas weniger bekannt sind und bei denen es sich absolut lohnt, sich die eine oder andere Coverversion zu Gemüte zu führen. Ein perfektes Beispiel ist für mich „Summer Breeze“, die Nummer 13 auf der Liste der „Best Summer Songs of All Time“ des Rolling Stone. Hierzulande zwar bekannt, aber aus meiner Sicht nicht totgespielt. Hätte man die 1970er in den USA erlebt, wäre man wohl anderer Meinung.

Das Lied wurde 1972 von Seals and Crofts veröffentlicht. Im Original ein Soft-Rock-Song, der sanft dahinplätschert – mit netter Melodie, ein wenig Wehmut und einer schönen Auflösung im Refrain. Nett, könnte aber auf Dauer fad werden. Aber: Der Song erweist sich als gute Basis für griffige Coverversionen.

Mir als erstes bekannt war die Variante von Type O Negative. Das war wohl auch die Version, die ich mir bewusst zu Gemüte geführt habe. Als ich zum ersten mal „Black No. 1“ hörte, war ich fasziniert vom düsteren Sound der Band, auf der einen Seite schwerfällig und hart, auf der anderen Seite irgendwie orchestral und melodiös. Vor allem die Stimme des Frontmanns Peter Steele fasziniert und polarisiert wohl auch. Jedenfalls entdeckte ich nach der Anschaffung des Albums „Bloody Kisses“ der Band darauf noch „Summer Breeze“. Für mich der beste Track: Langsam, aber mit Wucht stampfend und irgendwie lasziv kommt diese Version daher.

Fazit: Aus meiner Sicht besser als das Original, der Song wird in ein völlig anderes Licht gerückt.

Die zweite bemerkenswerte Coverversion von „Summer Breeze“ habe ich durch einen Freund kennengelernt.

„Kennst du Jackie Mittoo, den Keyboarder von Studio One?“
Meine Antwort damals: „Nein, bitte vorstellen!“

Das Studio One ist so etwas wie das Motown von Jamaika. Die Band The Skatalites mit Keyboarder Jackie Mittoo war selbst erfolgreich und stand zugleich als Backing-Band für viele Aufnahmen im Studio, unter anderem auch bei Prince Buster.

Der schunkelnde Rocksteady-Beat projiziert das gleichzeitig wehmütige und euphorische Gefühl des Originals meiner Meinung noch passender. Der leichtfüßige Rhythmus dieser Version wird mit stimmiger Gitarre und Orgel und laid back Gesang abgerundet.
Für mich die definitive Version!

Aber am besten selbst anhören:

Und wer es grad‘ nicht im Ohr hat, hier noch zum Vergleich das Original:

Wahre Liebe

HIT THE BASSLINE PRÄSENTIERT: TRACK DER WOCHE, # 27:
DAVE ALVIN & JIMMIE DALE GILMORE – DOWNEY TO LUBBOCK (2018)

Ich kann mich noch an den Abend erinnern, als ich zum ersten mal das Zombie-Slasher-Roadmovie „From Dusk Till Dawn“ gesehen habe. Die Titelsequenz ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Nach einem missglückten Stopp beim Schnapsladen steigen die Gangster-Brüder Seth und Richie Gecko streitend wieder in ihren staubigen Schlitten ein, während die Bude hinter ihnen in Flammen aufgeht. Welch ein furioser Einstieg! Der Ältere fährt, Seth drückt aufs Gas und der Titelsong „Dark Knight“ ertönt. Er gibt den Ton für den gesamten weiteren Film vor.

Der Name der Band, „The Blasters“, hat sich mir gleich eingeprägt, lange war mir aber nur dieser eine Song bekannt. Erst Jahre später, passenderweise in einem Innsbrucker Kellerlokal, hörte ich wieder einen Song in diese Richtung, eine stampfende Coverversion des Bob Dylan-Klassikers „Highway 61 Revisited“ – und zwar von Dave Alvin. Bald hatte ich herausgefunden, dass Dave Alvin Gitarrist der Blasters war und ich habe begonnen, mehr Blasters und Dave Alvin mit seiner Band The Guilty Ones zu hören. Später brachte sich Blog-Kollege Michael dann noch mit dem Album „Common Ground“ von Dave & Phil Alvin ein, einer Sammlung von Big-Bill-Broonzy-Coverversionen, interpretiert von Dave Alvin mit Bruder Phil, ebenfalls Teil der Blasters. Nebenbei gab es noch viel andere Musik zu entdecken, die ähnlich auf mich wirkte: Jason & The Scorchers, Green On Red, Roky Erickson und Justice Hahn sind einige meiner Favoriten.

Alle genannten Bands teilen die wahre Liebe zu den klassischen Ami-Genres: Country, Rockabilly, Folk, Roots Rock. Jedoch werden nicht nur Klassiker zum Besten gegeben oder seichte Nachahmungen produziert, im Vergleich zu den Originalen wirkt alles etwas roher und oft fetziger und gröber. Sie sind Fans der alten Schule, hatten den überzüchteten Schmalz-Country der 70er- und 80er-Jahre satt, und revitalisierten die in Jahre gekommene Cowboy-Musik mit einer ordentlichen Portion Punk-Attitüde, ähnlich wie es zur selben Zeit die Ramones mit Rock’n’Roll- und Pop-Songs machten. Der Cow Punk war geboren!

Doch nun zum eigentlichen Track der Woche: „Downey to Lubbock“ vom gleichnamigen Album. Hier tut sich Dave Alvin mit Jimmie Dale Gilmore zusammen, der mir durch ein herausragendes Townes Van Zandt-Cover bekannt ist. In Gilmores Version von „White Freight Liner Blues“ wird das Getöse auf dem Highway nicht durch die Fidel nachgeahmt, sondern durch eine höllisch schnelle E-Gitarre und Lapsteel. So haucht er dem Song wiederum Lebendigkeit ein, ohne die Grundstimmung abzuändern.

Die Kombination Alvin/Gilmore macht Sinn, ein Roots-Rock-Album von zwei Veteranen – und das im Jahr 2018. Alles etwas ruhiger als in der wilden alten Zeit, aber gekonnt fetzig und keineswegs altbacken kommt der Album-Opener „Downey to Lubbock“ daher. Die Seele der Musik ist dieselbe, auch wenn sich das Gewand verändert hat.

Viel Spaß!

Weitere Anspieltipps:

  • The Blasters – Boomtown (Non Fiction, 1983)
  • Green On Red – Hair of the Dog (Gas Food Lodging, 1985)
  • Jason & The Scorchers – Lost Highway (Lost & Found, 1985)
  • Roky Erickson – Don’t Slander Me (Clear Night for Love, 1985)
  • Jimmie Dale Gilmore – Weight Freight Liner Blues (Fair & Square, 1988)
  • Justice Hahn – Lucky Ladies (Ragged But Right, 1991)
  • Dave Alvin – Johnny Ace Is Dead (Eleven Eleven, 2011)
  • Dave Alvin & Phil Alvin – Stuff They Call Money (Common Ground, 2014)

Auf zu neuen Ufern

HIT THE BASSLINE PRÄSENTIERT: TRACK DER WOCHE, # 23:
NICK LOWE – TOKYO BAY (2018)

Der Jesus of Cool tut sich mit einer Lucha-Libre-maskierten Backing-Band zusammen? Was ist denn jetzt los?

Nick Lowe produzierte die ersten paar Elvis-Costello-Alben und ist selbst seit einer halben Ewigkeit als Pub-Rock- und Power-Pop-Künstler unterwegs. Den Titel Jesus of Cool verlieh er sich selbst gleich mit seinem ersten Album (1978). Mein erster Kontakt war der Song „So It Goes“, später habe ich aber „Heart of the City“ als meinen Favoriten entdeckt. Sein bekanntester Hit dürfte aber wohl doch „Cruel to be Kind“ sein, die Nähe zum wunderbaren Elvis Costello ist hier besonders gut hörbar.

Und jetzt zur zweiten Komponente.

Die Instrumental-Band Los Straitjackets ist hauptsächlich in einschlägigen Surf-Rock-Kreisen bekannt. Sie wurde bereits vor der Post-Pulp-Fiction-Surf-Musik-Welle gegründet (puh, das war jetzt aber nicht schlecht), hat sich gleich wieder getrennt und dann in der Post-Pulp-Fiction-Ära „reunited“ – und übt ihr Handwerk am liebsten in Anzügen und Lucha Libre-Masken aus. Ab und zu ist Band um Frontmann Daddy-O Grande auch mit anderen Künstlern unterwegs, eine für mich bis jetzt leider noch nicht ganz so prickelnde Erfahrung, vielleicht mit der Ausnahme einer Aerobic-DVD (!) mit den World Famous Pontani Sisters, einer Burlesque-Tanz-Gruppe.

Das ändert sich aber mit diesem Jahr: Los Straitjackets sind jetzt nämlich die Backing-Band von Nick Lowe – und zusammen spielen sie Skiffle
Das wird kurios, aber über Lonnie Donegan, den King of Skiffle, gibt es mal gesondert eine Abhandlung. Ich find’s jedenfalls stark. Der Text zum offiziellen YouTube-Video meint: „Nick shows that he’s still the Jesus of Cool and isn’t afraid to rock the boat“ – und das finde ich recht passend.

Secret Rocks Medical World

HIT THE BASSLINE PRÄSENTIERT: TRACK DER WOCHE, # 19:
RAMONES – SHEENA IS A PUNK ROCKER (1977)

Ich glaub, ich war noch keine 16 Jahre alt, als ich zum ersten Mal die Ramones im Fernsehen sah. Ich war auf der Stelle begeistert, da ich mir nicht erklären konnte, wie man so schnell in die Seiten hauen konnte. Wie machen die das, wie zur Hölle kann man so schnell spielen? Jeans, Lederjacken, Beatles-Haarschnitt und Mickey-Mouse-T-Shirt, und dann noch diese Posen! Keine Ahnung mehr, wie die Sendung hieß, aber den Song habe ich mir bis heute gemerkt: Sheena Is A Punk Rocker! Ich war jedenfalls auf der Stelle ein Fan.

„One, two, three, four!“
– Dee-Dee Ramone, vor jedem (!) Ramones-Song

Der eigentliche Grund für die heutige Auswahl ist ein kürzlicher Trip nach Berlin. Das weltweit einzige Ramones-Museum steht in Berlin-Kreuzberg, da ist ein Besuch natürlich Pflicht. Doch warum ausgerechnet in Berlin?

Dee Dee Ramone, Bassist der Ramones, war ein GI-Kind und lebte bis zu seinem fünfzehnten Lebensjahr in Berlin, was wohl auch auch der Grund sein dürfte, wieso die Stadt oft in den Texten der Band referenziert wird. Mir war das jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt noch nicht bekannt.

Zudem war Dee Dee auch medizinisch innovativ, was folgendes Fundstück aus dem Museum bezeugt.

Ramones Discover Eternal Youth

Und damit haben wir unsere heutige Ramones-Trivia-Runde schon wieder abgeschlossen, es bleibt nur noch zu sagen: Hey, ho! Let’s go!

Reinhold Macks Erben

HIT THE BASSLINE PRÄSENTIERT: TRACK DER WOCHE, # 15
VULFPECK – DEAN TOWN (2016)

Beim aktuellen Track der Woche gibt die Bassline den Ton an, und zwar in „Dean Town“ von Vulfpeck. Joe Dart, die fleischgewordene Rhythmusmaschine, bedient hier den Fender-Bass und hebt die Basslinie in den Vordergrund, sie ist gleichzeitig Puls und Melodie des Tracks.

„In metronome factories, they use Joe Dart’s Dean Town bassline for timesetting and quality control.“
– YouTube-Kommentar zu „Dean Town“

Die Formation aus Michigan hat sich der tanzbaren Musik und den funky Grooves verschrieben, aber aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Ihre Helden sind Session-Musiker wie die Funk Brothers, die Hausband des Motown-Labels, wo mitunter Stevie Wonder und Michael Jackson produziert wurden, oder die Wrecking Crew, welche auf unzähligen Aufnahmen der 60er zu hören ist, u.a. auf dem Album „Pet Sounds“ von den Beach Boys. Die Band sieht sich dabei als Rhythmustruppe, spielt hauptsächlich instrumental, und bietet das Fundament für häufige Auftritte von Gastinstrumentalisten und -sängern.

Ihr größtes Vorbild dürfte jedoch Reinhold Mack sein, ein deutscher Produzent, welcher bei Electric Light Orchestra und Queen mitmischte. Vulfpeck quasi als „deutsche“ Version der klassischen amerikanischen Studio-Band.

„Talk about space, you could rent out the space between the kick drum and the snare drum in New York, for fifty-hundred dollars a month.“
– Jack Stratton (Vulfpeck) über Reinhold Macks Arrangement von „Another One Bites the Dust“

Doch Vulfpeck geben sich auch als Wissenschafter. Bis ins Detail werden Songs und Sounds studiert und zerlegt: Wieso groovt dieser eine Song bloß so? Im Videoformat „Holy Trinities“ wird den unbekannten Akteuren gehuldigt, jenen Musikern und Produzenten, welche oft hinter großen Studio-Produktionen stehen. Besonders zu empfehlen ist hier die Folge „Guitar“, in der Vulf Jack Stratton einen Dialog zwischen David Bowie und Chic-Urgestein Nile Rodgers zitiert.

Nile Rodgers: „David, do you think I made this too funky?“
David Bowie: „Nile darling, is there such a thing?“

Dabei wird es sich wohl um die Session zu „Let’s Dance“ gehandelt haben, der Bowie-Song wurde von Nile Rodgers produziert.

Wie oben zu erkennen, spielt der Humor eine sehr große Rolle in der Band. Ihre Live-Auftritte erinnern mitunter an Fernsehsendungen aus den 70ern wie etwa Midnight Special: Es wird viel posiert und dauernd kommentiert, Jack Stratton scheint eine kleine Plaudertasche zu sein.

Besonders möchte ich auch noch auf die Ästethik der Videoproduktionen hinweisen. Das ist etwas komisch, da ich an sich keine Musikvideos mag. Aber die von Vulfpeck mag ich: Meist sieht man die paar Herren in der Session, oft kommt noch eine komische Komponente dazu, wie z.B. bei „Cory Wong“, wo man zu den bewegten Bildern das Drehbuch lesen kann.

SWISH PAN: JOE bass fill

WOODY smiles. A common reaction to a great bass fill.

Ganz nebenbei entwickelte die Band bei einer Musikaufnahme-Software mit, um einen Sound mit dem richtigen Punch sicherzustellen, und kreierte eine eigene Schriftart (!). Ja, im Universum von Vulfpeck tut sich einiges.

Vielen Dank an dieser Stelle an meinen Bandkollegen Mex, welcher die Band vor Kurzem in einer längeren Autofahrt ausführlich präsentierte.

Jetzt aber genug, wir wollen diese elektrisierende Basslinie endlich hören!

Train Kept A-Rollin‘

HIT THE BASSLINE PRÄSENTIERT: TRACK DER WOCHE, # 2:
V/A – TRAIN KEPT A-ROLLIN‘ (1951-1965)

Eines meiner bevorzugten Bandformate ist das Power Trio, meist bestehend aus Schlagzeuger, Bassist und Gitarrist, wobei einer noch den Sänger-Part übernimmt. Man muss immer ein wenig kompensieren, alles ist ein weniger rauer und rudimentärer. Der zum Sänger auserkorene Musikant muss unfreiwillig zwischen genauerem Gesang und fetzigerer Instrumentenbedienung abwägen, während des Gitarrensolos steht der Rhythmusgruppe kein zweiter Gitarrist oder Keyboarder zur Seite, jeder muss ein wenig mehr herausholen als eigentlich vorgesehen.

Ein paar klassische Vertreter wären da Cream, Rory Gallagher, die Jimi Hendrix Experience, auch Motörhead startete – und endete dann auch – als Power Trio. Alles sollte man sich mal zu Gemüte führen, doch ganz besonders möchte ich The Pirates empfehlen, den Rest der Band Johnny Kidd & The Pirates, welcher sich einige Jahre nach dem Tod des Frontmanns reformierte und eben als Trio weiterspielte. Im Gegensatz zu den anderen wurden sie nicht so bekannt und lebten eher auf der Pub-Bühne, wo sie mit ihrer erstaunlichen (!) Live-Performance für Furore sorgten.

Im Repertoire der Band befanden sich einstige Johnny-Kidd-Hits wie „Shakin‘ All Over“ oder „Please Don’t Touch“, einige Eigenkompositionen und ein Haufen Material aus den guten alten 50ern. Chef Mick Green war ein fanatischer Fan von Rockabilly-Pionier Johnny Burnette, und daher durften „Lonesome Train“ und „Honey Hush“ auch nicht im Programm fehlen.

Prototypisch war die Entwicklung der Pirates: Man orientiert sich an ein paar eigenen Favorites, spielt nach, baut um, irgendwann gibt’s eine Handvoll eigener Songs, und dann steht man noch ein paar Jahrzehnte als Inspirationsquelle für heranwachsende Generationen von Musikanten bereit. Die Inspiration für Mick Green und seine Pirates war eben Johnny Burnette, und die Pirates dienten mit ihrem drahtigen Sound wiederum als Vorlage für Wilko Johnson, welcher später mit Dr. Feelgood und Ian Dury & The Blockheads die britische Musikszene unsicher machte.

„Train Kept A-Rollin'“ ist der bekannteste Song von Johnny Burnette, und war nicht nur eine Ideenquelle für die Pirates, sondern auch für viele andere. Hier ein paar herausragende Stationen im Werdegang des Tracks „Train Kept A-Rollin'“. (The Pirates fehlen hier leider, da nur wenig Live-Material von ihnen frei verfügbar ist):

TINY BRADSHAW (1951)

Tiny Bradshaw schrieb den Song und nahm ihn als erster mit seiner Jump-Blues-Kapelle auf. Der Jump Blues war eine Vorstufe des Rock’n’Roll, aus großen Orchestern wurden kleinere Formationen, meist nur mit einem kleinen Bläsersatz, dafür immer mit lautem Gesang und fetzigen Saxophonsolos. Ab und zu wurde auch schon die Gitarre als Soloinstrument verwendet. Bradshaws Version lebt vom hüpfenden Rhythmus, Call-And-Response-Gesang und dem obligatorischen Sax-Solo.

JOHNNY BURNETTE & THE ROCK’N’ROLL TRIO (1956)

Die wohl wichtigste Version von „Train Kept A-Rollin'“, welche oft fälschlicherweise als Original bezeichnet wird, stammt von Johnny Burnette. Mit seinem hektischen, fieberhaften Gesang kämpft Burnette gegen das prägnante Gitarrenriff an, welches erstmals mit angezerrtem Sound daherkommt – und angetrieben wird durch einen holpernden Backbeat von Stehbass und Schlagzeug.

THE YARDBIRDS (1965)

Dem Nährboden der Yardbirds sind einige Große entsprungen: Eric Clapton, Jeff Beck sowie Jimmy Page und John Paul Jones – die letzteren beiden wurden später zuerst als New Yardbirds und dann als Kern von Led Zeppelin bekannt – waren alle zuerst bei den Yardbirds tätig. Und ihre Version unseres Tracks der Woche wird oft als möglicher Geburtstermin des Heavy Metal gehandelt. Wem der gefällt, der sollte sich auch noch die Variante auf Aerosmiths zweitem Album zu Gemüte führen.

SCREAMING LORD SUTCH (1965?)

Zu guter Letzt die Version, die ich persönlich knapp hinter der Burnette-Version, vielleicht je nach Stimmung sogar auch mal an die erste Position, reihen würde. Screaming Lord Sutch, der Schrecken von London, vergriff sich auch an „Train Kept A-Rollin'“. Und siehe da: Jetzt kommen die Bläser wieder, wenn auch alles etwas trashiger als beim Original. Dem Garagen-Punk-Helden King Khan dürfte der Song wohl auch mal zu Gehör gekommen sein …