Eine Playlist mit 2017er Songs, die mir gefallen haben.

Ein schöner Augusttag nimmt seinen hundsgewöhnlichen Lauf. Könnte es einen besseren Zeitpunkt geben, um sich an den PC zu hocken und eine 100 Einträge umfassende Liste aus 2017 erschienenen Songs in absteigender empfundener Qualität zusammenzustellen? Die Antwort auf diese auffallend spezifische Frage: vielleicht. So oder so habe ich genau das vorhin gemacht. Weil mir halt einfach danach war, bestimmt nicht, um zu teaminternen Jahrescharts beizutragen. Das wäre jetzt doch total unangebracht und unverlangt weil viel zu spät und sowieso.

Weitere Ausführungen zu diesem Unterfangen finden sich unter der Liste, zuerst geht’s aber ans Eingemachte:

JAHRESCHARTS 2017 – JOHANNES SCHNEIDER

  1. Godspeed You! Black Emperor – Anthem for No State
  2. Slowdive – Don’t Know Why
  3. Blanck Mass – Please
  4. Idles – 1049 Gotho
  5. Ulver – Rolling Stone
  6. Forest Swords – Panic
  7. Paul Plut – Grat
  8. Amenra – A Solitary Reign
  9. Cristobal and the Sea – Goat Flokk
  10. Forest Swords – War It
  11. Amnesia Scanner – AS Truth
  12. Idles – Benzocaine
  13. Arca – Desafío
  14. Actress – Blue Window
  15. Fleet Foxes – Cassius, –
  16. Hällas – Repentance
  17. Xiu Xiu – Wondering
  18. (Dolch) – Siren
  19. Forest Swords – Exalter
  20. Propagandhi – Lower Order (A Good Laugh)
  21. Blanck Mass – Silent Treatment
  22. Converge – Under Duress
  23. And So I Watch You From Afar – All I Need Is Space
  24. Saagara – Daydream
  25. Clams Casino – Kali Yuga
  26. Paul Plut – Klatsch
  27. Ulver – Transverberation
  28. Vince Staples – Crabs in a Bucket (Feat. Bon Iver & Kilo Kish)
  29. Protomartyr – My Children
  30. Mount Eerie – Real Death
  31. Broken Social Scene – Vanity Pail Kids
  32. Fever Ray – Red Trails
  33. Cristobal and the Sea – Smadness
  34. Whoredom Rife – Beyond the Skies of God
  35. Amenra – Children of the Eye
  36. James Holden & The Animal Spirits – Pass Through the Fire
  37. Converge – I Can Tell You About Pain
  38. Vince Staples – BagBak
  39. Fleet Foxes – If You Need to, Keep Time on Me
  40. Broken Social Scene – Protest Song
  41. And So I Watch You From Afar – Mullally
  42. Rødhåd – Target Line (feat. Vril)
  43. Ibeyi – Away Away
  44. Exquirla – El grito del padre
  45. Idles – White Privilege
  46. Godspeed You! Black Emperor – Bosses Hang
  47. Hammock – I Would Give My Breath Away
  48. Slowdive – Sugar for the Pill
  49. Hällas – The Golden City of Semyra
  50. Zugezogen Maskulin – Was für eine Zeit
  51. Acress – X22RME
  52. Grave Pleasures – Mind Intruder
  53. James Holden & The Animal Spirits – Thunder Moon Gathering
  54. Ninos Du Brasil – Condenado por un Idioma Desconhecido
  55. Blanck Mass – The Rat
  56. Laurel Halo – Jelly
  57. Full of Hell – Trumpeting Extasy
  58. Japandroids – In a Body Like a Grave
  59. Kendrick Lamar – DNA.
  60. Forest Swords – Raw Language
  61. Jlin – Never Created, Never Destroyed
  62. Oh Sees – Nite Expo
  63. Kirin J. Callinan – S. A. D.
  64. Kairon; IRSE! – Llullaillaco
  65. James Holden & The Animal Spirits – Each Moment Like the First
  66. Laurel Halo – Do U Ever Happen
  67. Yves Tumor – Limerence
  68. King Gizzard and the Lizard Wizard – Rattlesnake
  69. Propagandhi – Adventures in Zoochosis
  70. Cristobal and the Sea – Uma Voz
  71. Protomartyr – The Chuckler
  72. Von Seiten der Gemeinde – Schnåps
  73. Restless Leg Syndrome – Rooted
  74. Idles – Mother
  75. Protomartyr – Here Is the Thing
  76. FLUT – Linz bei Nacht
  77. Yaeji – Drink I’m Sippin On
  78. Ulver – So Falls the World
  79. Paul Plut – Lärche
  80. Hällas – Star Rider
  81. Vince Staples – Party People
  82. Von Seiten der Gemeinde – Provincetown Girl
  83. Slowdive – Slomo
  84. The National – The System Only Dreams in Total Darkness
  85. Wolves in the Throne Room – Born From the Serpent’s Eye
  86. Yaeji – Raingurl
  87. Carbon Based Lifeforms – Accede
  88. Zugezogen Maskulin – Teenage Werwolf
  89. Fever Ray – Plunge
  90. Casper – Keine Angst (feat. Drangsal)
  91. Queens of the Stone Age – The Way You Used to Do
  92. Témé Tan – Ça Va Pas La Tête?
  93. Restless Leg Syndrome – Trippin‘
  94. Zugezogen Maskulin – Der müde Tod
  95. Ninos Du Brasil – A Magia do Rei II
  96. Ride – All I Want
  97. Yung Hurn – Ok Cool
  98. Slowdive – No Longer Making Time
  99. Yaeji – Noonside
  100. Morrissey – I Spent the Day in Bed

 

Auch ich als in letzter Zeit leider sehr schreibfaul gewordener Mensch (legitime Ausreden dafür gibt es tatsächlich, müssen an dieser Stelle aber nicht breitgetreten werden) komme um einige Fußnoten zu dieser Auswahl nicht herum.

Man sieht den Charts meine Alben des Jahres deutlich an. Ich könnte Seiten damit füllen, im Bezug auf den Output von Idles, Forest Swords und Slowdive Superlative und überschwängliche Zuneigungsbekundungen aneinanderzureihen, sind deren Scheiben doch so oft in meinem Player rotiert wie lange nichts mehr. Am liebsten hätte ich aus diesen Alben 90% der Tracks in die Liste geklatscht, aber das wäre ja auch irgendwo fad.

Im Grunde genommen trifft auch für letztes Jahr wieder zu, was ich damals zum vorletzten Jahr schon so ähnlich beschrieben hatte: Da ich privat fast ausschließlich ganze Alben höre mache ich mir relativ wenig Gedanken darüber, welche meiner liebsten Tracks auch für sich alleine ihre volle Wirkung entfalten und welche davon „nur“ ein schönes Puzzleteil sind, das erst eingebettet im Gesamtmotiv seinen vorhergesehenen Zweck erfüllt. Von daher ist das Erstellen solch einer Liste jedes Mal ein spannendes Unterfangen, und erneut fehlen einige meiner liebsten Interpreten des Jahres, weil sie halt keine Hits schreiben.

Zum Beispiel waren Eluviums „Shuffle Drones“ eine extrem interessante Erfahrung. 23 kurze, perfekt ineinander übergehende Drone-Stücke, für die unendliche Zufallswiedergabe konzipiert. Die Songtitel aneinandergefügt sind gleichzeitig quasi die Gebrauchsanleitung:
„Simply put, the suggested manner of listening to this work is to isolate the collection and to randomize the play pattern on infinite repeat — thus creating a shuffling drone orchestration. The intent is to create a body of work specifically designed for and in disruption of modern listening habits and to suggest something peaceful, complex, unique, and ever-changing. Thank You.”
Aber so etwas hat halt in einer Liste der besten Songs keinen Platz.

Ein anderes Highlight – und neben Slowdive mein persönliches Comeback des Jahrzehnts – hat Kompakt-Labelchef Wolfgang Voigt mit seinem Hauptprojekt Gas abgeliefert. „Narkopop“ ist erneut die monolithische Mischung aus Naturaufnahmen, Samples klassischer Musik und stoisch pulsierenden (Ambient) Techno-Strukturen geworden, die schon vor der Jahrtausendwende so perfekt funktionierte. Auch die Schweizer von Schammasch weigern sich, verdauliche und wohlportionierte Songhäppchen zu basteln, haben dafür aber meine EP des Jahres aufgenommen und zeigen auf „The Maldoror Chants: Hermaphrodite“ in einem fließend ineinander übergehenden Soundkontinuum, wie Black Metal, ritueller Tribal Ambient und alle dazwischen liegenden Mischformen und Spielarten 2017 zu klingen haben. Der anscheinend im Internet und Meme-Universum wohnende Neil Cicierega hat im vergangenen Jahr die Messlatte in Sachen Mash-Ups neu adjustiert. Sorry Girl Talk. Aber irgendwie hätte es sich falsch angefühlt, diesen Bastardisierungen des Musikgeschehens Rangplätze auf der Liste zu vergeben. Andere Highlights aus 2017, die sich dem Song-Format entzogen, waren der sphärische Ambient Techno, den Vril mit „Anima Mundi“ auf 2 ausufernde, nicht näher betitelte Tape-Hälften gebannt hat, sowie die tieftraurige akustische Begräbnisprozession, welche das 80-Minuten-Monstrum „Mirror Reaper“ von Bell Witch darstellt.

Umgekehrt haben es auch einige Singles auf die Liste geschafft, deren Alben entweder nicht zünden konnten oder ich nicht einmal kenne, weil ich ja trotzdem hin und wieder bei musikbegeisterten Freunden unterkomme oder hin und wieder auch Radio höre(n muss), primär die „großen“ Indie-Sender des deutschsprachigen Raums, und dort halt doch nicht ausschließlich Blödsinn läuft. Von dem her vielen Dank an die liebe öffentlich-rechtliche Rundfunklandschaft.

Das war ja eigentlich ein kurzweiliges Verfangen. Vielleicht wiederhole ich das nächstes Jahr wieder, vielleicht sogar einige Monate früher. Einfach so. Vielleicht.

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